Online Einkaufsführer Newsletter Veranstaltungskalender


Detailansicht
15.11.2010 - Haferflocken mit Honig (Berliner Zeitung)

Sofie Bernau machte aus ihrem Hobby ein Geschäft. Heute ist sie die "Müsli-Queen" Berlins.

Betritt man den winzigen Laden an der Reichenberger Straße in Kreuzberg, findet man dort gleich zwei Mutmacher: "Müsli-Queen" Sofie Bernau und ihren Praktikanten Carsten Gehrum. "Man muss überzeugt sein von den Dingen, die man macht - auch wenn es von außen nicht anerkannt wird. Man muss hinter seinen Ideen stehen", sagt die 45-Jährige, die einen Laden besitzt, in dem sie selbst gemachte Lebkuchen, Bio-Eis und ihr Müsli "Berliner Frühstück" verkauft. Monatlich stellt sie eine Tonne Müsli her. Angefangen hatte alles ganz klein. Während Bernau eine Ausbildung am Hauswirtschaftsverein "Lette" absolvierte, fing sie an, mit Müsli zu experimentieren.

Ihre Silvestergeschenke - mit Honig gebackene Haferflocken - begeistern die Freunde. Von einem Praktikum in der Schweiz brachte sie nicht nur einen Mann, sondern auch das Rezept für Bircher Müsli mit. Und so dauerte es nicht lange, bis sie auf dem Markt Müsli verkaufte - und bis ihr die Lebensmittelaufsicht sagte, dass sie dafür einen offiziell genehmigten Produktionsraum brauche. Sofie Bernau nutzte dann nachts die Wärme von Öfen in Kreuzberger Bäckereien zum Müslibacken. "Das war eine harte Zeit. Wichtig ist, auch durchzuhalten, wenn es mal nicht rund läuft."

Carsten Gehrum, der neben ihr sitzt, nickt als sie das sagt. Dass der 27-Jährige seit einem Monat bei Sofie Bernau Praktikant ist und ihr bei der Lebkuchenproduktion hilft, ist für ihn nicht selbstverständlich. Mit sieben Jahren hatte er einen Autounfall und leidet seither unter Epilepsie. Normalerweise arbeitet er in einer Behindertenwerkstatt, aber die Aufgaben dort sind ihm zu einfach und bringen ihm keine Erfolgserlebnisse: "Ich möchte mich ins normale Leben integrieren. Ich bin für Gerechtigkeit und eine faire Chance." Er musste mehrere Bewerbungen schreiben, bevor er den Praktikumsplatz bei Sofie Bernau bekam.

Die Erfahrung, dass man bei Absagen nicht gleich aufgeben sollte, machte auch Sofie Bernau: In der Zeit, als in den Frühstücksräumen der meisten Hotels nur eine Sorte Kelloggs stand, begann sie die Gastronomie als Kunden zu akquirieren. Der erste Anruf war eine Absage, zwei Monate lang traute sie sich nicht weiter zu werben, aber inzwischen steht sogar das Adlon in ihrer Kundenkartei.

"Manchmal zweifelt man an sich und igelt sich ein. Da ist der Austausch mit anderen ganz wichtig", sagt Bernau, die von Angela Merkels Schneiderin einen guten Tipp bekam, als sie zögerte, dem Delikatessenhändler Butter-Lindner ihr Müsli anzubieten. "Anna von Griesheim sagte, dass man nie perfekt sei und einfach einen Moment, in dem man sich gut fühlt, abpassen soll." Bernau wartete den Moment ab und rief an und es klappte. Sechs Sorten knuspriges Müsli und sechs weiche Arten hat sie inzwischen in ihrem Sortiment.

Aber nach zehn Jahren Müsli-Routine kam die Krise und der Wunsch nach einem eigenen Café. Der Anfang war nicht leicht. Es dauerte ein bisschen, bis das Café dann ab 2004 mit Bioprodukten lief. Ein wenig später musste Sofie Bernau erfahren, dass Mut zwar gut, aber Übermut selten guttut. Die Unternehmerin vergrößerte sich, aber die 160 Quadratmeter große Filiale des Kreuzberger Cafés in Wilmersdorf wollte nicht anlaufen. Das Publikum war anders, der Laden zu groß. "Durchhalten ist zwar gut, aber aufhören auch."

Heute ist Bernau froh über die Erfahrung. Sie kennt nun ihr Format. Das Kreuzberger Café läuft, die Mitarbeiter sind eingearbeitet, sodass sich die "Müsli-Queen" in Zukunft wieder mehr auf die Produktion konzentrieren kann: "Mit dem Müsli ist es ein bisschen wie in der Partnerschaft: Man hat einen, mit dem es funktioniert. Und den hält man."