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28.03.2011 - Heimische Küche: In Cottbus zieht ein neuer kulinarischer Trend ein (Lausitzer Rundschau)

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt? Von wegen. In Cottbus und Umgebung zieht eine neue Restaurant-Kultur ein. Regionale Produkte, ausgesuchte Qualität statt Massenware - dafür interessieren sich die Gäste. Auch Supermärkte richten sich nach diesem Trend.

Eine klassische Urlaubsgegend hatte sich der Cottbuser Hotelier Olaf Schöpe für seiner Italien-Besuch ausgewählt. Dabei erwartete ihn auf der Bildungsreise in der Region um Verona viel Arbeit. Denn er ging der Frage nach: Was zeichnet regionale Küche aus? "Diese Tradition steht in Italien hoch im Kurs", berichtet er. "Doch während die Gastronomen dort eher als Einzelkämpfer auftreten, gehen wir in der Lausitz einen anderen Weg, der mehr Erfolg verspricht."

Gut für Wirtschaftskreislauf
Jeder kennt jeden – so könnte, anders als in Italien, das Motto für Cottbus und den Spreewald lauten. Der Reigen führt von Olaf Schöpe über seinen früheren Koch aus der Burger Kolonieschänke Alexander Schömmel. Weiter geht die Reise zum Bioladen am Cottbuser Oberkirchplatz, in dem Schömmel heute arbeitet. Der Reigen endet lange nicht bei der Chefin des Naturkostladens, Diana Lewandowski, die gute Kontakte zu Peter Franke, dem Wirt des Hotels "Zum Stern" in Werben pflegt. So viele Leute, so viele kulinarisch geprägte Beziehungen.

Peter Franke, der Pionier der regionalen Küche, trommelt lieber einmal zu viel als zu wenig für seine Marke. Aber der Erfolg gibt ihm Recht, wenn er sagt: "Das ist doch ein hervorragender Wirtschaftskreislauf, wenn wir hier gemeinsam was auf die Beine stellen." Früher habe er damit noch wie Don Quixote gegen Windmühlen gekämpft. Inzwischen, so sagt er, scheinen auch die Konsumenten reif zu sein für die Botschaft: Regionale Küche schmeckt. Und das helfe wiederum den Restaurants aus Cottbus und dem Spreewald, die keine Dutzendware servieren wollen.

Weg von der Massenware
Im Bioladen am Altmarkt richtet Alexander Schömmel gerade eine Küche ein, in der er ab Mitte April vor allem vegetarische Küche servieren möchte, zubereitet mit Produkten aus der Region. Seine Chefin sagt: "Unsere Kunden interessieren sich nicht für die herkömmliche Massenware." Leicht ließe sich dieser Trend in die elitäre Ecke schieben. Doch das wäre ein Trugschluss. Denn inzwischen folgen ihm sogar klassische Supermärkte. Wer im Marktkauf in Groß Gaglow Fisch kaufen will, trifft seit Ende 2010 auf ein Schild, das ihm erläutert: Das Geschäft führt nur noch Sorten, die den Kriterien nachhaltigen Fangs entsprechen.

Abteilungsleiter Ralf Buder sagt, ähnlich wie Diana Lewandowski vom Bioladen: "Die Leute kaufen bewusst ein, woran sicher auch die Lebensmittelskandale ihren Anteil haben." Qualität stehe im Vordergrund, erläutert er. "Auch bei Fleisch, Wurst und Käse – da darf es ruhig etwas teurer sein, wenn nur die Tiere vernünftig gehalten wurden." Beim Gaststättenverband Dehoga arbeitet Stefanie Huth als Projektleiterin. Regelmäßig informiert sie sich über neue Trends und sie stellt fest: "Die Konsumenten wünschen sich verstärkt Bioprodukte aus der Gegend, die sie kennen – vermutlich, weil sie deren Qualität mehr trauen." Gerade im Spreewald bemerkt sie seit einigen Jahren einen echten Stolz auf die heimische Küche, der für sie früher nicht so zu spüren war.

Diesen Stolz will nun auch Olaf Schöpe seinen Gästen vermitteln. Gerade ist er dabei, die neue Speisekarte für sein Waldhotel zu entwerfen. "Unser Ziel lautet, bis zu 100 Prozent der Speisen mit saisonalen Produkten aus der Region zuzubereiten." Auch wenn das in letzter Konsequenz bedeutet: Im Winter gibt es keine Tomaten – dafür Rotkohl oder Möhren.