Öko-Verbände wollen, dass die EU stärker die Eigeninitiative von Landwirten fördert.
Der magere Boden in der Mark Brandenburg nördlich von Berlin erlaubt Landwirt Wilhelm Schäkel keine Massenproduktion. Deswegen musste er umdenken. Seit 17 Jahren konzentriert er sich auf Bio-Anbau, Naturschutz und Tourismus. Sein Beispiel machte Schule: Viele, die auf seinem Hof arbeiteten, gründeten später eigene Firmen. So floriert die Wirtschaft in Schäkels Heimatdorf Zempow: Während im restlichen Brandenburg Landstriche veröden, weil die Einheimischen keine Perspektiven sehen, gibt es in dem 138-Seelen-Nest 23 Unternehmen. Wie jeder Biobauer bekommt Schäkel Geld von der EU. Allerdings sieht er die Hilfen aus Brüssel mit Skepsis, gelegentlich würde er sogar gerne darauf verzichten.
Denn die damit verbundenen Auflagen lassen ihm zu wenig Spielraum. Als er vor einiger Zeit auf seinen Äckern Hecken pflanzen wollte, beantragte er Fördermittel. Die wurden gewährt,aber der Landwirt musste sich an die Vorgaben der Bürokratie halten. Als es so weit war, "standen der Bürgermeister, der Baurat, ein Planer aus Schwerin und einer aus Cottbus um mich herum", erinnert sich Schäkel. Viele Fachleute, die aber das Entscheidende übersehen hatten: "Die Planer wussten nicht, dass es bei uns nur selten regnet und der Boden viel zu trocken ist." So wurde die Hecke zwar fachgerecht geplant und abgerechnet, "aber sie wird nur wachsen, wenn wir sie wässern".
Für Nikolai Fuchs, dem Brüsseler Büroleiter des Ökoverbandes Demeter International ist der Fall klar. Er zeige, dass EU und Nationalstaaten besser die Eigeninitiative der Bauern fördern sollten, statt die Mittelvergabe an starre Umwelt-Vorschriften zu knüpfen. "Ein Bauernhof ist lebendig." Alles vorschreiben und überprüfen zu wollen wie bei einer Industrieanlage, "führt nicht ans Ziel". Deshalb sollten die Verantwortlichen in der Förderpolitik umsteuern. Statt standardisierter Gebrauchsanweisungen zu geben, nach dem Motto. "Tue das, lass jenes, sonst gibt es kein Geld", sollten Landwirte für mehr Eigenverantwortung belohnt werden. Sie hätten langjährige Erfahrung mit Hof und Acker und all ihren Besonderheiten, an der es den Planern in ihren Büros mangele.
Kurzum: Bei der Förderung sollte der Bauer als Organisator im Zentrum stehen, betont auch der Vize-Präsident des Deutschen Naturschutzrings, Hartmut Vogtmann. Die Öko-Verbände wollen erreichen, dass die EU dies bei der 2014 beginnenden Förderperiode berücksichtigt. Ihren Vorstellungen zufolge müssten Zuschüsse für übergreifende Vorhaben zur Verfügung stehen, die Landwirte gemeinsam etwa mit Naturschutzverbänden, örtlichen Tourismusvereinen, Sponsoren oder konventionellen Bauern entwickeln - nicht die Bürokraten im fernen Brüssel.
Pedro Brosei von der EU-Landwirtschaftskommission schiebt den Schwarzen Peter jedoch den deutschen Bundesländern zu. Die EU-Verordnung für die Förderung des ländlichen Raumes "ist ein Werkzeugkasten, aus dem sich jeder Mitgliedstaat Instrumente herauspicken kann". Doch EU-Experten zufolge neige Deutschland dazu, die Brüsseler Vorschriften strenger auszulegen als notwendig. Oft erlaubten die Regeln mehr, als in einem Land umgesetzt werde.


