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01.10.2011 - In Pretschen geht's um die Wurzel (Lausitzer Rundschau)

In Pretschen hat die Chicorée-Ernte begonnen. Sie soll auf jeden Fall besser werden als im vergangenen Jahr, so Sascha Philipp vom Landgut. Mit elf Hektar Anbaufläche ist das Unternehmen nach eigenen Angaben der größte Chicorée-Produzent in Deutschland

Der Roder hebt den Chicorée vollautomatisch und ähnlich wie ein Rübenernter aus der Reihe, schüttelt die Erde ab und verstaut die Ernte. Vorher erntfernt ein Mähwerk Blätter und Unkraut.

"Wegen des schlechten Sommers konnten wir vergangenes Jahr nur 50 Tonnen ernten. Das war gerade mal die Hälfte von dem, was möglich ist", sagt Betriebsleiter Sascha Philipp. Er baut nach eigenen Angaben seit zwölf Jahren Chicorée an. Die Entscheidung dafür sei am Schreibtisch gefallen.

"Wir mussten der Treuhand ein Konzept vorlegen, um den heruntergekommenen VEG-Betrieb kaufen zu können", sagt der Landwirt. "Ringsherum gab es aber schon gut gehende Bio-Gemüsehöfe. Chicorée wird dagegen eher selten angebaut." Außerdem hätten mit dieser Entscheidung die Arbeitsplätze für die übernommenen Mitarbeiter erhalten werden können, geht aus der Presseinformation weiter hervor.

40 Leute hacken im Sommer das Unkraut. In Pretschen wird ohne Chemie produziert. Etwa ein Dutzend Mitarbeiter sind mit der Ernte in der Treiberei beschäftigt. Ein Mann reicht aus, um in diesen Tagen die Wurzeln vom Feld zu ernten.

Chicorée ist zwar ein zweijähriges Gemüse, wird aber durch kleine "Tricks" zu einem Einjährigen gemacht. Im ersten Jahr bildet der Chicorée Wurzeln. Nach dem Winter treibt er erst die Salatblätter aus. Dieser Winter wird künstlich in Kühlhäusern erzeugt, so dass die Ernte noch im selben Jahr beginnen kann. "Dadurch können wir unsere Mitarbeiter auch im Winter beschäftigen. Das ist ein großer Vorteil gegenüber dem üblichen Gemüseanbau", sagt Sascha Philipp. "Als ausgesprochenes Wintergemüse hält uns der Chicorée rund ums Jahr auf Trab."

Er beschäftigt 29 feste Mitarbeiter, drei Azubis und saisonal bedingt bis zu 30 zusätzliche Arbeitskräfte. Neben dem Chicorée produziert der Landwirt Bio-Milch von 275 Milchkühen und Bio-Wurst von 375 Kälbern und Jungrindern. Zum Landgut gehören eigenen Angaben zufolge zudem 550 Hektar Ackerland, 250 Hektar Grünland und 42 Hektar Wald.

Den Chicorée des Demeter-Biobetriebes gibt es beinahe in ganz Deutschland zu kaufen, heißt es in der Mitteilung. In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Nordbayern gelangt er über den Bio-Großhandel Naturkost Erfurt an 250 Einzelhändler und Großverbraucher wie Bioläden, Walddorf-Einrichtungen und Caterings.

 

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zum ThemaChicorée stammt von der wild wachsenden Wegwarte. Ihre Wurzel wurde und wird zu Kaffee-Ersatz vermahlen – bekannt auch als Zichorie oder Muckefuck. Außerdem wird sie als Zuckerersatzstoff Inulin für Diabetiker verwendet. Als Gemüse wurde Chicorée durch belgische Bauern entdeckt. Sie merkten, dass die Blätter, die aus den im Winter abgedeckten Wurzeln austrieben, gut als Salat verwendet werden können.