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02.12.2009 - Jetzt rücken die Studenten an (Märkische Allgemeine)

Fachhochschule Eberswalde will Münchehofe helfen, eine Öko-Gemeinde zu werden

Damit hatten die vier Studenten der Fachhochschule Eberswalde nicht gerechnet, als sie am Donnerstagabend das Gemeindehaus im Münchehofer Ortsteil Birkholz betraten. Der Raum war gut gefüllt, kaum ein Platz frei. "Eigentlich dachten wir, heute tagt hier nur die Gemeindevertretung", meinte Fabian Frucht und guckte erstaunt in die Runde. Aber dann stellten sich die jungen Leute schnell auf das etwas größere Publikum ein. ?Da können ja gleich die Einwohner mitreden?, sagten sie und kamen nach dem obligatorischen Bericht des Bürgermeisters und der Einwohnerfragestunde schnell zur Sache.

Mit einem Projekt wollen die Studenten Münchehofe bei dem Ziel, Öko-Gemeinde zu werden, unterstützen. "Wir sind durch einen Zeitungsbeitrag darauf aufmerksam geworden und dachten, das wäre eine interessante Aufgabe", erklärte Dany Bunk, die wie die anderen Kommilitonen im fünften Semester Landschaftsnutzung und Naturschutz studiert. Weil Bürgermeister Ralf Irmscher auf die erste Anfrage vor einer Weile aufgeschlossen reagiert hatte, machten sie sich schon vor ihrem Antrittsbesuch Gedanken. Sie recherchierten nach anderen Ökodörfern in Deutschland, der Schweiz und in Österreich. Sie untersuchten, wodurch sich Ökodörfer eigentlich auszeichnen und auf welche Weise sie entstehen. Und sie überlegten, wie man Münchehofe unterstützen könnte. "Sie sollen einen Leitfaden in die Hand bekommen, der Ihnen die Richtung weist", so Studentin Dany Bunk. Im Februar nächsten Jahres will das Team, zu dem noch zwei weitere Studenten gehören, die Arbeit abschließen und den Gemeindevertretern vorlegen. "Das ist nicht mehr viel Zeit", räumten sie ein. "Aber wir schaffen das."

Von Münchehofe hatten sie sich schon einen kleinen Eindruck verschafft. Sie gingen durch das Dorf, sprachen mit dem Bürgermeister, schauten sich den Hofladen und die Molkerei an. Und im Internet wurde ausführlich der "Gemeindebote" studiert. "Das war sehr interessant, manchmal auch amüsant", meinte Fabian Frucht. Dann nutzten die Studenten die Gelegenheit, die Anwesenden auszufragen. "Wer ist aus Hermsdorf hier, wer aus Münchehofe und wer aus Birkholz?" Abwechselnd gingen die Hände nach oben. Gläser wurden gefüllt, Stühle gerückt und große Zettel bereitgelegt. Die Studenten ließen sich in den einzelnen Ortsgruppen aufzählen, wo die Einheimischen Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken in der Gemeinde sehen. Stichworte wie Molkerei, Gestüt, Landschaft, Ruhe, Tourismus wurden aufgeschrieben. Das Ergebnis landete auf einem großen Bogen an der Wand. "Und was passiert jetzt damit", kam ein skeptischer Einwand vom Tisch der Gemeindevertreter.

"Wir untersuchen jetzt erstmal, was hier alles im Ort vorhanden ist", erklärte Hanna Weickelt. Daraus ergäben sich dann verschiedene Möglichkeiten.

Kurz stellten sie drei Dörfer vor, die auf dem ökologischen Weg schon etwas weiter sind ? Brodowin in Brandenburg, Sieben Linden in Sachsen-Anhalt und Keimblatt in Österreich. Eines sei in allen Fällen ähnlich gewesen. "Überall kam die Entwicklung von unten", sagte Studentin Laura Henningson. "Es gab Bürgerinitiativen oder Vereine, die das Ganze angeschoben und getragen haben." Stets sei das Ziel gewesen, ökologisch zu wirtschaften, die Kosten zu senken und sich in der Gemeinschaft wohl zu fühlen.

Ein paar Mal wollen sich die Studenten demnächst noch in Münchehofe umschauen. So kündigten sie an, zur Eröffnung der gläsernen Molkerei anzureisen. Erfreut hörten sie von dem Angebot, bei Bedarf in einer Ferienwohnung in der Gemeinde übernachten zu können. Am Ende des Vortrags klopften die Münchehofer als Dankeschön heftig auf die Tische.