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07.08.2010 - Käse von glücklichen Kühen in Garlitz (Märkische Allgemeine)

Seit einem Jahr finden Sepp Steinbrechers Bio-"Havelländer" und andere Sorten reißenden Absatz.

Gut, irgendwie hat Sepp Steinbrecher schon vorher in der Bio-Branche gearbeitet. Trotzdem war der Schritt zum Produzenten von Bio-Lebensmitteln kein kleiner. Bis vor wenigen Jahren beriet der gelernte Agrar- und Wirtschaftsingenieur Bio-Bauern in Marketingfragen. Dann besuchte er die Käserei von Freunden in Sachsen-Anhalt, kam auf den Geschmack und wollte fortan selbst Käse herstellen.

Fünf Jahre ist das jetzt her. Nach einigen Schnupperkursen in Käsereien in Brandenburg und Sachsen-Anhalt begann die Suche nach einem geeigneten Standort: "Wir haben uns von Anfang an vor allem im Havelland umgesehen. Eine gewisse Nähe zu Berlin als möglichem Absatzort war wichtig. Hier in Garlitz hat schließlich alles gepasst", sagt der 46-Jährige. Der Garlitzer Biobauer ? ein Ökomilchbetrieb ? suchte jemanden, um das riesige Hofgelände wieder ein bisschen mehr mit Leben zu erfüllen. Da kam der künftige Käsemacher gerade recht. "Die Bedingungen hier sind ideal. Wenn ich Milch brauche, muss ich nur einmal über den Hof gehen", sagt Steinbrecher.

Seit drei Jahren wohnt er jetzt mit seiner Frau Birgit Zeidler und dem achtjährigen Sohn Florian im ehemaligen Kutscherhaus. Schwalben füttern ihre schreienden Jungen in den Lehmnestern unter dem Dach, drei Katzen streunen über und streiten auf der Terrasse. Im Dorf fühlte sich die Familie von Anfang an wohl. "Gleich bei unserem ersten Besuch hat mir Garlitz sehr gut gefallen", sagt Birgit Zeidler. "Das ist noch so ein richtiges intaktes Bauerndorf mir einer sehr offenen Atmosphäre." Lediglich Sohn Florian brauchte eine Weile, bis er den Abschied von seinen Berliner Freunden verkraftet hatte.

Seit Mai 2009 ist Sepp Steinbrecher jetzt selbstständiger Käsemacher. In der Gründungsphase hat ihn der Lotsendienst Havelland unterstützt. Die Käserei ist in der ehemaligen Milchküche des Bauernhofes untergebracht. Der fertige Käse reift in einem Kellergewölbe darunter. Vier verschiedene Sorten stellt Steinbrecher bislang her. Die enge Bindung zur Region drückt sich in den Namen der Käsesorten aus: Sie heißen Luchkäse, Garlitzer, Hofkäse und Havelländer. Mit Abstand am würzigsten schmeckt der Havelländer, der sechs Monate bis zur vollen Reife braucht. Der Luchkäse braucht nur wenige Wochen, bis er verzehrfertig ist und wird unter anderem mit Brennnesseln und Samen von Bockshornklee verfeinert.

Bis zu 1200 Liter Milch verarbeitet Steinbrecher im Monat. Auf mittlere Sicht will er die Menge verdoppeln. Aber schon jetzt ist er mit seinem Geschäftsauftakt mehr als zufrieden: "Mit so einem guten Start hatte ich überhaupt nicht gerechnet", sagt er. Die konservativen Umsatzschätzungen seines Vierjahres-Businessplans hat er jedenfalls deutlich übertroffen. Seinen Käse verkauft er vor allem auf den Wochenmärkten in Brandenburg und Potsdam Babelsberg. Dort sitzen die solventeren Kunden, die sich auch die etwas höheren Preise ? 100 Gramm Biokäse kosten zwischen 2 Euro und 2,60 Euro ? eher leisten können.

Aber auch in Garlitz selbst ist die Nachfrage so groß, dass Steinbrecher mittlerweile an zwei Wochentagen Verkaufszeiten eingerichtet hat: Mittwochs und donnerstags kann man von 17 bis 19 Uhr Käse auch direkt vom Hof kaufen. Die Käserei liegt in Garlitz in der Straße "Neues Ende 14a". Weitere Informationen unter 03 38 78/ 9 06 79 oder im Internet unter www.havelkäse.de.