2.000 Kunden kommen täglich in den LPG-Markt in der Kollwitzstraße. Er ist der größte Bio-Supermarkt Europas.
Nur noch 30 Meter und Sie stehen im Bio-Paradies." Wer am Senefelderplatz aus der U-Bahn steigt, kann sie nicht übersehen, die Werbung für den LPG-Biomarkt in Prenzlauer Berg. Es ist ja auch ein besonderer Laden. "Unsere Filiale in der Kollwitzstraße ist der größte Bio-Supermarkt Europas", sagt LPG-Geschäftsführer Werner Schauerte.
Auf 1.600 Quadratmetern und zwei Etagen gibt es eine riesige Auswahl an Biowaren. 15.000 verschiedene Produkte finden sich in den Regalen. "Die meisten anderen Biomärkte bieten auf 600 bis 700 Quadratmetern Fläche 6.000 bis 7.000 Produkte an", sagt Schauerte. Und so haben die Kunden in der Kollwitzstraße die Wahl zwischen 200 Sorten Käse und ebenso vielen Weinen. Mehrere Meter nimmt auch das Apfelsortiment mit seinen 25 Sorten ein. Topaz, Pinova, Marnica - solche Namen sind in konventionellen Märkten kaum zu finden.
Sarah steht vor dem Regal mit süßen Brotaufstrichen. "Ich suche eine Schwarze-Johannisbeer-Marmelade mit hohem Fruchtanteil", sagt die 53-Jährige. Sie wohnt in der Nähe, kauft aber nur ab und zu im LPG-Markt ein. "Ich achte vor allem auf gute Qualität. Die finde ich aber auch bei konventionellen italienischen und französischen Produkten", sagt sie.
Jens hingegen ist Stammkunde. Er nutzt an diesem Morgen die Zeit zwischen zwei Geschäftsterminen und schiebt seinen Einkaufswagen zügig durch die Gänge. Möhren, Paprika, Gurken, Äpfel, Bananen, Käse und Wurst hat der 33-Jährige im Erdgeschoss schon eingepackt. Im Obergeschoss kommen Milch, Butter, Joghurt, Müsli, Apfelsaft und Krümelmonster-Kekse hinzu.
"Wir kaufen ausschließlich Bio-Produkte und brauchen als vierköpfige Familie viel Obst, Gemüse und Milchprodukte", sagt er. Ihm gefällt das große Angebot in den LPG-Märkten und dass die Ware frisch ist. Deshalb ist er Mitglied geworden bei der LPG und zahlt monatlich gut 20 Euro Beitrag. Dafür bekommt er auf sämtliche Produkte Rabatt. Für 100 Gramm jungen Gouda bezahlt er zum Beispiel nur 0,79 Euro, alle anderen 1,06 Euro. Eine Kiwi bekommt er für 19 Cent, ansonsten kostet sie 25 Cent.
Alle Waren in den Läden sind doppelt ausgezeichnet - mit dem Laden- und dem Mitgliederpreis. Für die LPG lohnt sich das Konzept, weil sie durch die Beiträge der 15000 Mitglieder liquider ist, Ware schneller bezahlen kann und sie sich oft Kredite für Lieferantenrechnungen sparen kann. "Mitglied zu werden, rechnet sich für alle, die in der Woche für 25 Euro oder mehr bei der LPG einkaufen", sagt Marktleiterin Antje Kapp.
In der Filiale in Prenzlauer Berg sind 60 Prozent der Kunden LPG-Mitglieder. "Größtenteils kaufen junge Familien mit Kindern bei uns ein. Es finden aber zunehmend auch Ältere zu uns - und viele Touristen", sagt Antje Kapp. Weil es zu den Grundsätzen des Unternehmens gehört, Biolebensmittel auch für Menschen mit niedrigem Einkommen erschwinglich zu machen, richten sich die Monatsbeiträge nach dem Einkommen. Wer weniger als tausend Euro netto verdient, zahlt knapp 13 Euro, Besserverdienende knapp 18 Euro. Außerdem gibt es einen Familientarif für gut 20 Euro.
Im Schnitt kommen täglich 2.000 Kunden in die Filiale in der Kollwitzstraße. In dem zum Markt gehörigen Bistro, das von 11 bis 15 Uhr Mittagsgerichte anbietet, werden täglich 150 Gäste verköstigt. Stressig wird es für die sechzigköpfige Belegschaft sonnabends. "Da sind es mehr als 4.000 Kunden", sagt Antje Kapp. Die Kinderspielecke mit dem Holzkarussell ist dann rappelvoll, auf dem roten Sofa in einer Nische in der Nähe des Bistros stillen Mütter ihre Kinder. Und überhaupt: Man trifft sich, duzt sich und plaudert.
"Wir wollen auch ein Kieztreffpunkt sein. Unser Prinzip ist es, die Kunden lange im Laden zu halten anstatt sie so schnell wie möglich durchzuschleusen", sagt LPG-Chef Schauerte. Das klingt nicht nur sympathisch sondern rechnet sich offenbar auch. Mit ihren insgesamt fünf Filialen macht die LPG in Berlin einen Umsatz von 35 Millionen Euro im Jahr.
Im Mai wird in Schöneberg die sechste LPG-Filiale eröffnen. Mit 1500 Quadratmetern Fläche fällt auch sie überdurchschnittlich groß aus. Außerhalb Berlins will die LPG nicht expandieren. Man versteht sich als Berliner Gewächs und das soll auch so bleiben.
Angefangen hat die LPG - die Abkürzung steht für "lecker, preiswert und gesund" - als Einkaufsgemeinschaft. Den Gründern waren nicht nur faire Preise sondern auch regionale Produkte wichtig. "1994 waren wir die ersten, die Bio-Ware in Brandenburg gekauft haben. Die Konkurrenz fuhr da noch ins Wendland", berichtet Schauerte. "Wir haben den wenigen Bio-Bauern damals garantiert, ihre Produkte abzukaufen." Heute sind in den LPG-Märkten 40 Prozent der frischen Produkte aus der Region. Schauerte: "Das hätten wir uns in den 90er-Jahren nie träumen lassen."


