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12.11.2010 - Klasse statt Masse (Märkische Allgemeine)

Siegmar Birk hat einen Bio-Geflügelhof: Könnte der Vorbild sein für Münchehofe?

Der Bioland-Geflügelhof von Siegmar Birk liegt am Ortsrand von Diedersdorf, einer kleinen Gemeinde in Märkisch-Oderland, rund 70 Kilometer von Königs Wusterhausen entfernt. Vor 15 Jahren hat der einstige Warener hier angefangen, Bio-Eier zu produzieren. Dafür kaufte er zunächst 1.000 Hühner und hat die Eier abends selbst mit dem Pkw nach Berlin gefahren. Noch heute schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen, wenn er daran denkt. Manchmal hatte er 600 Eier im Wagen, die er sicher durch die Hauptstadt bringen musste.

Birk hat Glück gehabt und fand zwei Großkunden, die ihre Beine fest auf dem Markt haben: Die Frischemärkte Viv und LPG. "Wir sind mit den Kunden gewachsen", erklärt der Diedersdorfer Hühner-Bauer, der momentan 7.500 Legehennen in den Ställen hat. Der Bedarf sei einfach immer größer geworden. Deswegen habe er erweitert. Stolz zeigt er auf die Hühner, die sich wegen der Kälte draußen dicht an dicht in den Ställen tummeln. Nur wenige haben sich hinaus in den Wintergarten gewagt. Wintergarten? "Ja, ja", bestätigt Birk. "Die Wintergärten sind eine feine Sache. Da können die Hühner auch bei Kälte raus." Die Wintergärten sind überdachte Anbauten an die Ställe. "Obenrum" sind sie aus einem Drahtgeflecht, unten schützt Holz die Tiere zum einen vor Wind und Kälte, zum anderen aber auch vor dem Fuchs und dem Habicht.

Im Stall ist dicke Luft; eine Ammoniakwolke schlägt dem Besucher beim Betreten entgegen. Vor der Tür ist davon aber wenig zu merken. Ein paar Meter weiter verrät nicht eine Brise, dass hier Hühner zu Tausenden im märkischen Sand und auf der Wiese scharren. Jetzt will Birk sogar noch einmal aufstocken. "Aber so, dass die Leute im Ort nicht die Nase rümpfen müssen", sagt er. Summa summarum sollen es 11.500 Legehennen werden. Der Diedersdorfer "Hühner-Gott" hat von den Plänen der Agrargenossenschaft in Münchehofe gehört. Er runzelt die Stirn: "Können sie dort überhaupt so viele Eier vermarkten?"

Er empfiehlt, in kleinen Schritten anzufangen, so wie er selbst es getan hat. Dann würden auch die Leute selbst erleben, dass Hühnerhaltung nicht das Ende der Welt bedeuten muss. "Das lässt sich verträglich gestalten", meint Birk und verweist auf seine Erfahrungen. Er selbst entsorgt mit seinen sechs Angestellten – alle sind aus der Gegend – den Hühnertrockenkot in eigenen Anlagen. Er baut mit ihnen das Getreide für die Hühner auf 20 Hektar Land selbst an. Er schlachtet auch die Hühner selbst mit den Mitarbeitern, wenn sie ihre Legezeit von zehn bis zwölf Monaten hinter sich haben. Verkauft werden die Bio-Hühner in den Frischemärkten.

Dass Bio drin ist, wo es dran steht, dafür legt Birk seine Hand ins Feuer. Bereitwillig zeigt er seine Anlagen, erklärt und denkt beim Reden auch an die Kontrollen, die angemeldet und unangemeldet mehrmals pro Jahr auf seinem Geflügelhof durchgeführt werden. Dreimal im Jahr schickt er Hühnerkot- und Eierproben zur Kontrolle ins Labor nach Bestensee. Die nächsten Wochen werden für Siegmar Birk und seine Leute anstrengend. Was Otto Normalverbraucher für unmöglich hält, scheint aber doch so zu sein: Vor Weihnachten werden mehr Eier verbraucht als zu Ostern. Tja, in der Weihnachtsbäckerei . . .