Einen aufschlussreichen und sehr informativen Vormittag haben die Teilnehmer der Rundschau-Sommertour am Donnerstag auf dem Landgut in Pretschen erlebt. Geschäftsführer Sascha Philipp gab anschaulich Einblick in die Methode der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise entsprechend der Demeter-Richtlinien, die praktiziert wird. Zudem stellte er auf der Baustelle des Gewächshauses das große Investitionsvorhaben für die Gemüseproduktion vor.
Im Jahr 1999 habe die Familie das Gut im Unterspreewald übernommen und mit damals zwölf Beschäftigten die Umstellung auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise begonnen. Konsequent wird hier auf 800 Hektar Fläche mit inzwischen 25 Mitarbeitern nach den Richtlinien des Demeter-Verbandes produziert, der in Deutschland seit 1928 besteht.
Ganzheitliche Methode
"Dazu gehört, dass man sich nicht nur stofflich mit den Pflanzen beschäftigt, sondern weiter Aspekte, die Pflanzen und Boden beeinflussen, berücksichtigt werden", erläutert Sascha Philipp. Die Wirtschaftsweise gehe zurück auf den österreichischen Philosophen und Esoteriker Rudolf Steiner. Dieser habe für die Landwirtschaft eine ganzheitliche Methodik zur Förderung eines gesunden Zusammenspiels von Menschen, Tieren und Pflanzen sowie Erde und Kosmos entwickelt, vermittelt der Landwirt die Grundzüge.
Wie das in der Praxis funktioniert, bringt er den 15 Sommertouristen am Beispiel nahe. Aus einer großen Kiste nimmt er das Horn einer Kuh, pult eine kleine Menge des Inhalts heraus und lässt sie daran riechen. "Riecht wie Erde", stellen diese fest. Vor dem Winter sei es Kuhmist gewesen, teilt er den erstaunten Zuhörern mit. "Die Hörner werden den Winter über vergraben und dann findet dieser Wandlungsprozess statt", erläutert Sascha Philipp.
Im Frühjahr werde diese Erde mit Wasser verdünnt und auf den Feldern ausgebracht. "Damit soll das Bodenleben wieder in Ordnung kommen und die Humusschicht wächst", erklärt er. Das habe eine Bodenuntersuchung im Abstand von fünf Jahren ergeben. Die Humusschicht unterliege starken Schwankungen, "doch im Durchschnitt hatten wir einen Zuwachs von zehn Prozent Humus zu verzeichnen", so der Landwirt.
Als zweites Bodenverbesserungsmittel werde ein Horn-Kiesel-Präparat ausgebracht. Quarzmehl werde dafür in die Kuhhörner gefüllt und während der Sommermonate im Boden vergraben, "um Licht einzufangen", wie er erklärt. Auf dieselbe Weise verdünnt bringe das Präparat Licht an die Pflanzen. Sie bildeten mehr Zucker, was den Geschmack verbessere. Auch der Siliziumgehalt der Pflanzen steige, wodurch sie widerstandsfähiger gegenüber Pilzerkrankungen würden. "Wie in der Homöopathie ist die Wirkung der Präparate wissenschaftlich nicht zu erklären, doch es funktioniert", konstatiert Sascha Philipp.
Ebenso erfolge die Ernährung der Rinder nach den Demeter-Richtlinien. Die Kälber bekämen Vollmilch zu trinken, und wie alle Tiere das Heu und Grünfutter von den eigenen, biologisch-dynamisch bewirtschafteten Flächen. Bei Erkrankungen arbeite das Landgut mit einem Tierarzt zusammen, der eine homöopathische Medikamentierung praktiziere. Die Genesung der Tiere dauere bei homöopathisch behandelten Tieren zwar länger, "aber ich kann die Milch weiterhin verwenden und dadurch ist es auch ökonomisch vertretbar", stellt Sascha Philipp fest.
Riesiges Gewächshaus
Als großes Investitionsprojekt entsteht auf dem Areal des Landgutes zurzeit ein riesiges Gewächshaus. Rund zwei Hektar Fläche werden überdacht, um darin künftig Tomaten, Gurken und Feldsalat hauptsächlich für den Berliner Markt anzubauen, gleichfalls nach den Demeter-Richtlinien. Bewässerung und Belüftung steuere künftig ein Klimacomputer und geheizt werde mit Holz. Rund 4,3 Millionen Euro betrage die Investition, wovon knapp 20 Prozent über das Agrarinvestitionsprogramm des Landes Brandenburg gefördert würden. 15 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.


