Diskussionsrunde über Sinn und Unsinn der Grünen Gentechnik
Großer Andrang herrschte am Freitagabend in der Jüterboger Gaststätte "Fuchsbau". Auch Nicht-Mitglieder waren der Einladung des SPD-Ortsvereins zur Diskussionsrunde zu einem Thema gefolgt, das alle angeht: Die sogenannte Grüne Gentechnik. Als kompetente Gesprächspartner waren der Bio-Landwirt und erklärter Gentechnik-Gegner Volker Rottstock sowie Wilfried Krieg, stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, erschienen.
"Still ruht der See", fasste Krieg zusammen, was sich bislang im Landkreis seit der generellen Zulassung Grüner Gentechnik vor vier Jahren in Sachen Gentechnik getan habe. Sämtliche Anträge einzelner Landwirte wurden, meist aufgrund massiven Drucks aus der Nachbarschaft, noch vor der Aussaat gentenchnisch veränderter Organismen (GVO) zurückgezogen.
Wer glaubt, hierzulande sei des Thema deshalb vom (Essens)-Tisch, der irrt, wie Krieg anhand weltweiter, bundesdeutscher und Brandenburger Statistiken belegte. 133 Millionen Hektar werden heute weltweit auf der umstritten GVO-Basis bewirtschaftet. Das Gros der 17 Millionen in Deutschland auf diese Weise bewirtschafteten Hektar befinden sich mit knapp 60 Prozent in Brandenburg, beinahe der ganze übrige Rest in den anderen neuen Bundesländern. "Bei solchen Zahlen ist klar: Wir kommen um das Thema nicht mehr drumherum", sagt Wilfried Krieg.
Volker Rottstock ließ zuerst den Experten das Wort und zeigte den Zuhörern einen Zusammenschnitt von Fernsehreportagen zum Thema. Einig sind sich Wissenschaftler weltweit, dass die von der Gentechnik-Industrie gepriesenen Verfahren längst nicht ausreichend auf ihr Gefahrenpotenzial hin untersucht sind. Langzeitstudien fehlen völlig. Ungeklärte Todesfälle bei Versuchstieren oder in der Massentierhaltung mit Genfutter-Fütterung werden ignoriert oder, wie Wissenschaftler herausfanden, manipuliert. Mindestens ebenso erschreckend ist die aufgedeckte enge personelle Verflechtung von Gentech-Industrie und Politik, die bis in die Genehmigungsgremien von Europa-Rat und Welternährungsorganisation hineinreicht.
"Warum das ganze Theater?", wollten einige Zuhörer von Rottstock im Anschluss wissen. Dessen Antwort: Das symbolische Reiben zwischen Daumen und Zeigefinger. Über die mangelnde Vorsorge des Staates, den Verbraucher vor solcherart Risiken zu bewahren, entspann sich die folgende Diskussion. "Es kann nicht sein, dass ausschließlich der sogenannte Markt entscheidet und die Verbraucher dann verseuchtes Zeug auf den Tisch bekommen", empörte sich eine Zuhörerin.
"Wenn der Bürger über die Risiken aufgeklärt ist, wird er es im Supermarkt auch in Kauf nehmen, für gesunde Nahrungsmittel mehr zu bezahlen", meinte ein anderer Redner. Rottstock verwies auf die Möglichkeit zur Mitbestimmung bei der Verpachtung von landwirtschaftlicher Nutzfläche. Ein Vorschlag, den Falk Kubitza, SPD-Stadtverordneter, aufgriff und die Einbringung einer entsprechenden Beschlussvorlage in der Jüterboger Stadtverordnetenversammlung ankündigte. Die Aussicht auf positive Aspekte der Gentechnik nicht außer Acht zu lassen, mahnte Wilfried Krieg. "Doch so lange Risiken bestehen, werden wir bei uns GVO nicht anbauen!"


