Einmal hinter die Kulissen einer Molkerei zu schauen und Einblick in die Produktionsabläufe bekommen, diese Möglichkeit haben am Donnerstag rund 60 Leser bei der Rundschau-Sommertour in der Gläsernen Molkerei in Münchehofe genutzt. Geschäftsführer Michael Müller führte durch die Produktionsanlage im Biosphärenreservat Spreewald und informierte zu Qualitätsanforderungen der hier erzeugten Bio-Produkte.
Die Produktion habe der Molkereibetrieb bereits im Jahr 2005 begonnen. Später sei die Idee entstanden, die gläserne Molkerei zu bauen, um die Produktion von Milch und Käse transparent nahe zu bringen. Das Gebäude sei unter Berücksichtigung seines Standortes im Biosphärenreservat Spreewald konzipiert worden. "Es sollte ein Gebäude sein, das in die Region passt", sagte der Geschäftsführer. So seien für die Fassadengestaltung Glas und unbehandeltes Lärchenholz verwendet worden, "und die Milchtanks durften nicht höher als der Kirchturm sein", weist er auf ein Detail hin.
Die Molkerei ist am 6. Januar 2010 eingeweiht worden und ihr Innenleben hochmodern ausgestattet, wovon sich die Sommertouristen während des Rundgangs durch den langen Gang mit den großen Fensterscheiben überzeugten. Auf der einen Seite beobachteten sie, wie die Tetra-Packs für die Milch in einer langen Reihe transportiert und ihnen die Deckel aufgesetzt wurden. Auf der anderen Seite finde die Käseproduktion statt, erklärte Michael Müller. Unter dem Gang befinde sich das Labor der Molkerei.
"Jede Milchlieferung wird hier zunächst auf ihren Eiweiß- und Fettgehalt sowie auf Hemmstoffe, die aufgrund von Antibiotikabehandlungen einer Kuh in der Milch vorhanden sein könnten, untersucht", sagte der Geschäftsführer. Werden derartige Stoffe festgestellt, dann komme die Milch nicht in die Produktionsanlage, antwortete er auf eine Frage. Milch von Kühen, die mit Antibiotika behandelt werden, dürfe nicht abgegeben werden. Dennoch erfolge täglich eine Kontrolle. In Münchehofe werde Milch aus 35 Betrieben der Region verarbeitet, die alle einem Bio-Anbauverband wie Demeter, Biopark, Naturland und anderen angehörten.
Welchen Preis der Landwirt mit seiner Milch in der Molkerei erlöse und ob es sich für dessen Betrieb auch rechne, interessierte Heinz Müller. Dies seien im letzten Monat 42 Cent je Liter gewesen, antwortete der Geschäftsführer. "Wir bezahlen die Milchqualität, ihren Anteil an Fett und Eiweiß", ergänzte er. Die wirtschaftliche Situation der Betriebe sei sehr unterschiedlich und daher sei eine pauschale Aussage nicht möglich, ergänzte er.
Sauberkeit ist oberstes Gebot bei der Verarbeitung. So wird hier durchgängig an sieben Tagen in der Woche im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet. 50 Mitarbeiter habe die Molkerei. "Eine Schicht ist täglich ausschließlich mit der Reinigung der Anlagen beschäftigt", verdeutlichte der Geschäftsführer. Haltbar gemacht werde die Milch einerseits durch Erhitzen auf 72 Grad Celsius. Sie komme als Frischmilch mit einer Mindesthaltbarkeit von zehn Tagen in den Handel. H-Milch werde bei 120 Grad Celsius haltbar gemacht und sei drei Monate verwendungsfähig, erläuterte Michael Müller den Unterschied. Homogenisiert werde die Milch, damit sich die Fettmoleküle verteilten und nicht an der Oberfläche absetzen, erklärte er einen weiteren Prozess.
Entsprechend den verschiedenen Qualitätsansprüchen an die Milch werde die Rohmilch von den Biohöfen auch in unterschiedlichen Qualitäten angeliefert und getrennt gelagert. Verarbeitet werde die Milch außerdem zu Butter und Käse. Quark, Buttermilch und andere Nebenprodukte verkaufe die Molkerei im Hofladen. Für die Käseherstellung werde der Milch ein Lab zugesetzt, wodurch unter ständigem Rühren eine feste Masse entstehe, die schließlich als Käsebruch entnommen werde. Die dabei außerdem entstandene Molke erhielten weiterverarbeitende Lebensmittelbetriebe. "Der Käsebruch wird zu vier bis 4,5 Kilogramm schweren Laiben gepresst und kommt dann ins Lager", erklärte Michael Müller diesen Prozess.
Beim Blick ins Käselager konnten die Sommertouristen beobachten, wie eine Maschine ständig aus den Regalen mit hunderten Käselaiben eine Reihe entnahm, sie drehte und wieder ins Regal schob. "Das ist Toni, unser Käseautomat", sagte der Geschäftsführer. Dieser drehe die Käselaibe entsprechend der Programmierung und schmiere dabei deren Oberfläche zudem mit einer Flüssigkeit ein, weil der Käse bei der Reifung ständig Feuchtigkeit verliere. Zwei unterschiedliche Sorten des Münchehofer Käses sowie die Frischmilch konnten die Sommertour-Teilnehmer abschließend verkosten.


