Münchehofener Bürgerinitiative will Hühnerfarm mit 30.000 Tieren verhindern.
"Hier soll die Hühnerfarm entstehen", sagt Manuela Rienas und zeigt auf eine gerade ergrünende Wiese. Sie liegt zwischen den Orten Münchehofe und Hermsdorf und soll bald Heimat von 30. 000 Hühnern werden – wenn es nach dem Willen der Agrargenossenschaft Münchehofe ginge. Das Feld, auf dem die Hühnerfarm stehen soll, wird auf drei Seiten von Bäumen begrenzt, an einer von einem Graben und dem Europaradweg, der nach Münchehofe führt. "Bei dem hohen Grundwasserspiegel hier und so vielen Tieren werden Wasser und Boden zwangsläufig verseucht", glaubt Manuela Rienas.
Am Ortseingang von Münchehofe haben die Dorfbewohner ein großes Plakat aufgestellt. Darauf steht: "Münchehofe sagt: Ja zur Ökogemeinde, Nein zu Massentierhaltungsanlagen". Seit einem dreiviertel Jahr schon kämpfen Manuela Rienas und einige hundert Bewohner der Münchehofer Ortsteile gegen den Bau der Hühnerfarm und haben dazu die Bürgerinitiative "Landlust statt Hühnerfrust" gegründet. Sven Teske, einer der Sprecher der Initiative, betont aber, dass sich der Protest nicht gegen die Agrargenossenschaft richtet. Sie betreibt am Ort auch eine Milchkuhwirtschaft mit 400 Tieren in ökologischer Haltung. "Wir wollen den Eindruck vermeiden, dass wir gegen die Genossenschaft sind. Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn jemand Geld verdienen will. Wir sind nur gegen den Standort der Mastanlage", sagt Teske.
Den Standort halten die Münchehofer aus verschiedenen Gründen für ungeeignet. "Wir sind gerade auf dem Weg, Ökogemeinde zu werden", erklärt Teske. Für Besucher der Gläsernen Molkerei – ein Vorzeigebetrieb für Münchehofe – werde die gigantische Hühnerfarm "direkt in der Sichtachse" liegen. Zudem würde der Gestank von 30.000 Legehennen sich über das Dorf legen. Und wer könnte garantieren, dass nach einer solchen Anlage Schluss sei? Es wurden insgesamt fünf Standorte für geeignet befunden.
Zweifel haben die Farmgegner auch an dem Versprechen, die Eierproduktion werde "bio" sein. "Das ist ein agrarindustrieller Betrieb unter dem Deckmantel ökologischer Landwirtschaft", findet Sven Teske. In seiner Präsentation werbe der Investor mit einer "schönen, heilen Hühnerwelt – wie das mit 30.000 Tieren gehen soll, ist mir ein Rätsel." Seit langem schon fordert die Bürgerinitiative, dass die Agrargenossenschaft ein Gutachten einholt, dass die Umweltverträglichkeit der Hühnerfarm bestätigt. "Aber das wird einfach ignoriert", sagt Manuela Rienas.
Die 48-Jährige, die auch stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Münchehofe ist, ist frustriert. Sie fühlt sich als Vertreterin von 580 Einwohnern vom Kreistag im Stich gelassen. "80 Prozent der Bewohner haben unsere Petition unterschrieben, die Gemeindevertreter sind sich einig. Trotzdem vertreten die Abgeordneten nicht unsere Interessen", sagt Rienas. Die Gemeinde sei vergangenes Jahr von dem Vorhaben überrollt worden. "Warum hat man nicht vorher mit uns gesprochen?" Rienas fühlt sich als Politikerin auf kleinster Ebene dem Willen ihrer Dorfbewohner verpflichtet. "Ich habe den Mehrheitswillen umzusetzen."
Die Mitglieder der Bürgerinitiative hegen trotz allem leise Hoffnung auf eine Einigung mit der Agrargenossenschaft und der Kreisverwaltung. Für den 22. März hat der Vorsitzende der Bauernfraktion im Kreis, Heiko Terno, zu einem "Erörterungstermin" in den Lübbener Kreistag geladen. "Vielleicht gibt es da mal etwas inhaltlich neues", sagt Sven Teske.


