Durch den Neubau der Molkerei und Käserei in Münchehofe können ab Dezember alle Spreewälder Biobauern ihre Milch direkt in der Region verarbeiten lassen. "Damit schließt sich ein regionaler Wirtschaftskreis", erklärt Lutz Habermann, Geschäftsführer des Spreewaldvereins. Das bringe Arbeitsplätze und erweitere die Spreewald-Produktpalette. Die Wirtschaftsförderer setzen sich dafür ein, dass viel mehr Spreewald auf den Tellern landet ? besonders für Touristen. Obwohl die Nachfrage in diesem Bereich groß ist, gibt es noch Defizite.
Die Gläserne Molkerei GmbH in Münchehofe investiert eigenen Angaben zufolge rund elf Millionen Euro in den Neubau der Bio-Molkerei und Käserei am Standort. "Damit erweitert sich die Produktionskapazität von derzeit etwa sechs Millionen Litern Bio-Rohmilch im Jahr auf rund 35 Millionen Liter", erklärt Kirsten Böhmann von der Geschäftsführung. Die Biomilchkapazität im Spreewald belaufe sich auf rund 15 Millionen Liter jährlich. Das bedeutet, dass bislang mehr als die Hälfte der Spreewälder Biomilch in Upahl bei Schwerin verarbeitet wird. Dort hat die Muttergesellschaft des Unternehmens, die Gläserne Meierei GmbH, ihren Sitz.
Zwei Käse unter Dachmarke
In Münchehofe werden derzeit zwei Käsesorten unter der Dachmarke Spreewald hergestellt. "Mit der neuen Käserei wollen wir das Sortiment natürlich erweitern", erklärt Kirsten Böhmann. Dann habe der Betrieb auch die entsprechenden Kapazitäten, um weitere Spreewälder Produkte herzustellen. Das unterstützt auch der Spreewaldverein. "Wir wollen, dass noch mehr Produkte unter unserer Dachmarke vermarktet werden." Durch die Investition in die Milchwirtschaft erhoffen sich die regionalen Wirtschaftsförderer auch eine zunehmende Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges im Spreewald.
Bislang werde der überwiegende Teil der regionalen Bioprodukte ? sei es Fleisch, Getreide oder Gemüse ? in anderen Regionen weiterverarbeitet. "Aber durch die Fertigung bis zum Endprodukt haben wir wirkliche regionale Wertschöpfung und es entstehen Arbeitsplätze", sagt Habermann. So werde die Zahl der Mitarbeiter mit dem Neubau der Molkerei und Käserei in Münchehofe von derzeit 17 auf bis zu 45 erhöht. Der Standort Münchehofe wird nicht nur mit dem Neubau der Gläsernen Molkerei und Käserei erweitert, in der Besucher ab Dezember alle Arbeitsprozesse beobachten können.
Zum Betriebs-Ensemble gehört auch ein Hofladen, der im alten Gutsarbeiterhaus entstanden ist und Mitte August eröffnet wurde. Das Angebot dort umfasse nicht nur die eigenen Milchprodukte, sondern auch Bio-Obst und -Gemüse aus der Region, so Kirsten Böhmann. "Aber", merkt Dietrich Dommain vom Spreewaldverein kritisch an: "Ein Spreewald-Regal im Hofladen ist viel zu wenig. Das sollte schon ein richtiger Spreewaldmarkt werden." Da seien vor allem die Spreewälder Produzenten selbst gefragt, schließlich sei der Anteil der Bio-Agrarbetriebe in der Region sehr groß.
Für den Ausbau des Hofladens in Münchehofe haben das Land Brandenburg und die EU knapp 200 000 Euro beigesteuert, insgesamt hat der Bau 520.000 Euro gekostet. Hinzu kommt eine neue Straße zur Hofmolkerei, die besuchergerecht mit Parkplätzen und Beleuchtung ausgestattet wurde. Dafür hat das Amt Schenkenländchen rund 223 000 Euro in die Hand genommen, rund 98 000 Euro davon kamen vom Land.
Biokonzept und Tourismus
Die Gläserne Molkerei GmbH hat den Münchehofer Betrieb im Jahr 2005 erworben und seither kontinuierlich ausgebaut. "Wir haben uns für den Spreewald entschieden, weil wir mit unserem Biokonzept gut hierher passen und weil wir mit der Gläsernen Molkerei auch touristisches Potenzial sehen, zumal Berlin ganz in der Nähe liegt", erläutert Kirsten Böhmann. Gerade im Tourismus müsse viel mehr das kulinarische Pfund des Spreewaldes eingesetzt werden, betont Spreewaldvereinschef Lutz Habermann. So seien 23 Gasthäuser der Region unter der Spreewald-Dachmarke zertifiziert, weil sie regionale Produkte auf die Teller bringen. "Aber nur drei schreiben es auch in ihre Menükarten rein", kritisiert Andreas Traube vom Spreewaldverein. "Damit wird kaum geworben", bemängelt er. Das sei eine verpasste Chance.
Nachfrage nach Regionalem
Wie groß aber die Nachfrage, nach genau diesen Informationen ist, beweise allein die Tatsache, dass das "Spreewälder Kulinarium" ? ein gastronomischer Reiseführer mit eben jenen 23 zertifizierten Gaststätten ? allein 500 Mal im Monat von der Internetseite des Tourismusverbandes heruntergeladen werde, so Traube. "Das spricht doch für sich", sagt er. Aus diesem Grund wolle der Spreewaldverein nun all jene Gaststätten mit Dachmarken-Schildern ausstatten, die sie an ihrem Eingang anbringen können. "Wir müssen das sichtbar machen. Unter der Dachmarke können wir viel mehr erreichen", so der Projektleiter.
Des Weiteren werde derzeit daran gearbeitet, den Gastroführer "Spreewälder Kulinarium" in einer neuen Auflage um touristische Angebote zu erweitern. "Die Verknüpfung von Kulinarischem aus der Region und Wellness ist heutzutage in der Vermarktung wichtig und kommt bei den Touristen an", so Andreas Traube. Der Trend der bewussten und gesunden Ernährung lasse sich schließlich im Spreewald bestens umsetzen.


