Trotz steigender Nachfrage wächst die Anbaufläche nur langsam
Deutschland lässt sich auf dem heimischen ÖkoNahrungsmittelmarkt immer mehr den Rang von ausländischen Anbietern ablaufen. Das ergab eine Studie des Instituts für Organischen Landbau an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die der MAZ exklusiv vorliegt. Während der Umsatz beim Handel mit Ökoprodukten in den Jahren 2000 bis 2009 um rund 180 Prozent gestiegen ist, legte die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland nur um 75 Prozent zu. "Die Folge: Deutsche Bioprodukte verlieren immer mehr Marktanteile", heißt es in der Studie. Dieser Trend sei besonders bei Obst und Gemüse zu beobachten.
Die Autoren der Studie fordern höhere Fördersätze für den Ökolandbau. Sie verweisen darauf, dass im europäischen Vergleich hierzulande nur durchschnittliche Prämien gezahlt würden. Von 2004 bis 2009 seien die Zahlungen in Deutschland sogar im Durchschnitt um elf Prozent gesunken. "Durch ideologische Scheuklappen werden hier leichtfertig Marktanteile an das Ausland verspielt", so die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Cornelia Behm.
Michael Wimmer, Chef der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg, wünscht sich mehr Unterstützung für Bio-Landwirte, die Obst und Gemüse anbauen, sowie für Betriebe, die Ökoprodukte verarbeiten. Handlungsbedarf sieht auch Dieter Dombrowski von der Landtagsfraktion der CDU. Es gebe eine "„Unterversorgung mit Produkten aus dem Bio-Anbau". Vor allem die Verarbeitung der Erzeugnisse müsse gestärkt werden.
Laut Studie rangiert Brandenburg bei den Förderprämien für Bauern, die auf Öko umsteigen, auf dem letzten Platz im bundesweiten Vergleich. Allerdings gibt es auch nirgendwo sonst so viele Öko-Bauern: 10,5 Prozent der Agrarflächen werden ökologisch bewirtschaftet. Das ist für Jens-Uwe Schade, Sprecher des Agrarministeriums, der "Fluch des Erfolgs". Der Fördertopf für Ökolandbau sei begrenzt, das Geld müsse für viele Bauern reichen. Von einer absichtlichen "Benachteiligung des Ökolandbaus" könne keine Rede sein.


