Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat das Gut Ogrosen als Demonstrationsbetrieb für Ökologischen Landbau ausgewählt. Fortan öffnen die Landwirte interessierten Besuchern weit ihre Stall- und Speichertüren – als einziger Hof in Südbrandenburg.
Wer die Hofmolkerei/Käserei der Höfegemeinschaft Gut Ogrosen betritt, fühlt sich an einen OP-Saal erinnert. Gründlichste Sauberkeit und akkurat aufgereihte Geräte ziehen die Blicke auf sich. Das Betreten der Räume ist nur nach dem Wechseln des Schuhwerks erlaubt, aber für kleine und große Füße stehen Gummistiefel bereit.
Sauberkeit ist in den Milchveredlungsräumen des Ökohofes oberstes Gebot. Fahrlässigkeit im Produktionsprozess, die womöglich die Qualität beeinträchtigt, können und wollen sich die Ogrosener Biolandwirte nicht leisten. "Einen Großteil der Zeit verbringen wir mit dem Reinigen und Spülen der Geräte", erklärt Franziska Rahtgens, die gerade mit dem Bruchschneiden, einem Produktionsablauf für die Schnittkäsezubereitung, beschäftigt ist.
Am Nachbartisch drückt Öko-Ziegenwirt Frank Porten Ziegenkäse aus kleinen Behältern, um diese zu salzen. Ohne ihren Rhythmus zu unterbrechen, beantworten sie Fragen und lassen sich bei der Arbeit bereitwillig über die Schultern schauen.
Die Offenheit gegenüber Gästen kommt nicht von ungefähr, ist doch das Gut Ogrosen seit Kurzem durch das Bundeslandwirtschaftsministerium zum Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau erhoben worden. Fortan öffnen die Ökolandwirte der Höfegemeinschaft ihre Stall- und Speichertüren, führen Interessierte an die Felder und Weiden oder informieren, wie etwa in der Hofmolkerei, über Arbeitsprozesse und über die Philosophie ihres Chefs, Heiner Lütke Schwienhorst.
Als junger Landwirt besucht dieser Ende der 1970er Jahre einen Ökobetrieb und ordnet diesen Besuch als ein Schlüsselerlebnis ein. "Es war die Zeit, in der aufgrund von Überproduktionen wertvolle Lebensmittel vernichtet wurden", ruft er in Erinnerung. Zudem führte der Drang nach höheren Erträgen zu einer immer stärkeren Belastung des Naturhaushaltes, so der Landwirt, der schon damals beschwor, es mit ökologischer Landwirtschaft zu versuchen – selbst, wenn die Messlatte gegenüber konventioneller Landwirtschaft sehr hoch liegt.
Um Arbeitsgänge lückenlos darzustellen, bekommen Ökobauern regelmäßig Besuch von Kontrolleuren. Das Ausfüllen von rund 30 Formblättern trägt dazu bei, Höfe im Kampf um das begehrte Ökosiegel transparent zu machen. Die in Ogrosen produzierten Nahrungsmittel werden im Hofladen, auf Wochenmärkten und anderen weiterverarbeitenden Betrieben angeboten.
So beliefert Lütke Schwienhorst die Gläserne Molkerei in Münchehofe (Dahme-Spreewald) mit Biomilch vom Rind, die sogar die weiterreichenden internationalen Vorgaben des National Organic Program (NOP) erfüllt. Getreide und Sonnenblumen sind sogar in Bäckereien in Berlin und Dortmund gefragt.
"Regional ist erste Wahl" lautet die angestrebte Vermarktungspolitik. Bei ihrem jüngsten Treffen hatte die AG Orts- und Flurbegrünung des Nabu-Regionalverbandes Calau den Ökolandwirt zu einer öffentlichen Gesprächsrunde eingeladen. "Auch uns geht es darum, den Begriff Bio aufzuwerten", betonen die Mitglieder.


