Pfarrer Stephan Magirius aus Altdöbern hat in seinem Leben bestimmt schon zahlreiche Zuhörer gehabt, aber Ziegen waren bisher noch nicht darunter. "Dabei waren die auf einmal ganz still, als ich Astrid Lindgrens Weihnachtsmärchen ‚Pelle zieht aus‘ vorlas", berichtet er über seine Lesung im Ziegenstall.
m Gang hatten Kinder mit ihren Eltern und Großeltern auf Strohballen Platz genommen. Manch einer rückte etwas vom Gatter ab, denn die neugierigen Ziegen versuchten schon mal, am Kragen zu knabbern. Ein wenig Licht für den Vorleser und sonst nur noch ein Herrnhuter Stern im Ziegenstall schufen genau die Atmosphäre, die mit der Weihnachtsgeschichte zu tun hat. "Wir wollen den Kindern die biblische Geschichte, in der Stall und Krippen vorkommen, nahe bringen und erlebbar machen", erklärt Toni Lütke Schwienhorst das Konzept. Zur gleichen Zeit lesen Oliver Raszewski im Kuhstall und Friedhelm Plaß im Schafstall vor ganz aufmerksamen Publikum, die Stallbewohner eingeschlossen. Später wiederholt sich das noch zweimal vor neuem Publikum. Dazwischen besteht Gelegenheit, sich am Lagerfeuer aufzuwärmen, Kakao zu trinken oder zu naschen. "Alles kommt von unserem Hof, ist garantiert ‚Bio‘ und sehr lecker", warb Toni Lütke Schwienhorst. Ariane Basowski aus Vetschau: "Wir hatten ohnehin die gebrannten Keramikarbeiten meines Sohnes Iven aus der Kunstwerkstatt von Henry Krzysch abzuholen und haben das gleich mit dem Besuch auf dem Gut verbunden. Mit Glühwein auf Strohballen sitzen und Märchen lauschen, das hat was!", sagt sie.
Sohn Iven ist derweil am großen Lagerfeuer beschäftigt. Nach der Aufwärmung geht es wieder in die stockdunkle Nacht zu den Ställen. Wie verabredet lugt plötzlich der Vollmond aus den Wolken hervor, der an diesem Abend gar keiner ist. Zusätzlich zur Weihnachtsgeschichte zeigt sich der Himmelskörper in einer der seltenen Mondfinsternisse – märchenhafter kann es kaum sein.


