Die Kritik an der Gentechnik in der Prignitz und die Bereit-schaft, ein Zeichen der Gegenwehr zu setzen, wächst offenbar weiter. Wie vom Bündnis "Gentechnikfreie Region Prignitz" zu erfahren war, haben sich inzwischen sieben weitere Betriebe entschlossen, ihre Flächen als Sperrzonen für den Gentechnik-Anbau deklarieren.
"Mit rund 36.400 Hektar und 81 beteiligten Landwirtschaftsbetrieben ist das Agrarbündnis der größte Zusammenschluss seiner Art in Ostdeutschland", sagt Bernd Teickner aus Gumtow, der neben Reinhard Jung aus Lennewitz als Sprecher des Bündnisses fungiert. Allein im vergangenen Jahr seien knapp 4.000 Hektar Agrarland dazugekommen.
Zu den neuen Mitstreitern des Anti-Gen-Bündnisses gehören der Heidelbeerhof Quirling, Landwirte aus Tüchen und Silmersdorf und Seedorf. Den größten Flächenzuwachs beschert aber die Agrargenossenschaft Mesendorf, die 1.430 Hektar in die Zweckgemeinschaft einbringt.
Alles in allem sei es sehr still geworden um die Gentechnik, sagt Teickner. Der genveränderte Mais Mon 810 sei dank Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner verboten worden, und kein einziger deutscher Landwirt habe die genveränderte Amflora angebaut, obwohl sie 2011 erstmals zugelassen wurde. Günstig wirke sich zudem aus, dass das Europäische Parlament beschlossen habe, die Zuständigkeiten in Sachen Gentechnik auf die nationale Ebene zu verlagern.
Des weiteren gebe es ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, dass Schadenersatz geleistet werden muss, wenn Honig durch den Eintrag aus gentechnisch veränderten Pflanzen verunreinigt wird. All dies führe dazu, dass die Befürworter der Gentechnik ins Hintertreffen geraten.
Reinhard Jung merkt zudem an, dass sich die BASF-Tochter Plant Science GmbH offenbar aus Deutschland zurückziehen und die Gentechnik-Sparte stattdessen in den USA weiter ausbauen wolle. Aus den Labors des Unternehmens stammt die gentechnisch veränderte Kartoffelsorte "Amflora". Vor einigen Jahren wollte das Unternehmen sie auf Versuchsfeldern in der Prignitz anbauen, stieß aber auf massiven Protest.
Darauf will sich das Bündnis aber nicht ausruhen. "Natürlich müssen wir weiter wachsam sein", sagt Reinhard Jung. Unerfreulich sei vor allem, dass nichts unternommen wurde, um Patente auf Nutzpflanzen oder Nutztiere zu verbieten.
Welche weiteren aktuellen Entwicklungen es in Sachen Grüner Gentechnik gibt, erfahren Interessierte am Mittwoch, 1. Februar, ab 10 Uhr im Deutschen Hof in Bad Wilsnack. Auf Einladung des Prig-nitzer Bündnisses hält sich Christof Potthof vom "Gen-Ethischen Netzwerk" für Anfragen bereit.


