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18.08.2009 - Ran an die Öko-Kartoffeln (Märkische Oderzeitung)

Vor wenigen Wochen verunsicherte eine britische Studie die Verbraucher: Bioprodukte seien nicht gesünder und nahrhafter als konventionell erzeugte. Ein Europäisches Forschungsprojekt zur Qualität von Ökoprodukten kommt nun zu einem ganz anderen Ergebnis.

 "Die ökologische Bewirtschaftung erhöhte bei zahlreichen pflanzlichen Erzeugnissen die Gehalte an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen wie Antioxidantien, Vitaminen und anderen bioaktiven Stoffen. Ausgelöst wurden diese positiven Veränderungen vor allem durch die organische Düngung", erläutert Professor Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau in der Schweiz und Leiter des Forschungsprojektes zur Qualität von Ökoprodukten. Ein Ergebnis, das den Verbraucher freuen wird. Fünf Jahre, zwischen 2004 und 2009, haben 35 wissenschaftliche Institutionen und Industriepartner den Ökolandbau untersucht. Die EU-Kommission unterstützte die bisher größte Studie dazu mit 12,4 Millionen Euro, weitere 5,6 Millionen kamen unter anderem von der Schweiz, aus Dänemark, den Niederlanden und der Türkei.

In dem Forschungsprojekt untersuchten die Wissenschaftler Kohl, Salat, Tomaten, Kartoffeln und Getreide in verschiedenen Ländern Europas sowohl im konventionellen Anbau als auch im Bioanbau und führten gleichzeitig Milchanalysen durch. "Es lässt sich feststellen, dass die Bodenfruchtbarkeit im Ökolandbau deutlich höher ist", sagt Niggli. Zudem fördere der Verzicht von chemischen Düngern die Bildung der bioaktiven Stoffe wie Carotinoide, Polyphenole oder Sulfide in der Pflanze. Das klingt für den Verbraucher erst mal sehr abenteuerlich, aber die natürlichen Stoffe im Obst und Gemüse tun dem menschlichen Körper gut. Das Krankheitsrisiko bezüglich vieler Krankheiten kann gesenkt werden, weil Infektionen besser abgewehrt werden. Das bestätigt auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Und auch die Untersuchung von Milchproben zeigt, dass der Gehalt von Vitaminen und mehrfach gesättigten Fettsäuren bei Kühen in Ökobetrieben deutlicher höher ist. "Konsumenten, die konventionelle Produkte kaufen, werden auch nicht gleich umfallen", sagt Hartmut Vogtmann, der einst den ersten deutschen Lehrstuhl für ökologischen Landbau inne hatte. Doch die Verwendung chemischer Stoffe, wie Pestizide, kann Auswirkungen auf die Gesundheit haben. "Acht Prozent aller Krebserkrankungen werden durch Pestizide verursacht", sagt Vogtmann. Biologisch angebautes Obst und Gemüse ist nachweislich fast zu 100 Prozent frei von Pestiziden. Bei konventionell angebautem Gemüse sind fast 40 Prozent der Ernte mit Pestiziden angereichert, so der Wissenschaftler.

Wie kann es dann aber sein, dass die kürzlich veröffentlichte Studie der britischen Food Standard Agency (FSA) zu einem ganz anderen Ergebnis kam? "Wir haben über einen langen Zeitraum experimentell gearbeitete", sagt Niggli. Die FSA habe eine Literaturstudie vorgelegt. "Man hat aus 162 europäischen Studien 55 ausgewählt und die Quintessenzen zusammengeführt", so der Schweizer weiter. Dabei habe man alles mit allem verglichen. Ökolandbauern hätten bei der Studie gar nicht am Tisch gesessen. Offensichtlich habe es eine bestimmte Stoßrichtung für die Studie gegeben, wobei wissentlich Fakten weggelassen wurden. Eine Irreführung des Konsumenten also. "Die FSA hat in ihrer Studie die Bedeutung von bioaktiven Stoffen und Schadstoffen nicht berücksichtigt", erläutert Niggli weiter. Nach Ansicht der Briten spielten diese keine Rolle für den Verbraucher.

Dass der Umsatz von Bio- oder Ökoprodukten in den vergangenen Monaten zurückgegangen ist, liegt, sagt Vogtmann, an den hohen Preisen. Erstens produzieren Ökolandbauern weniger, zweitens ist der Bioanbau immer noch sehr energieintensiv. Die EU fördert derzeit übrigens nur die konventionelle, nicht aber die ökologische Produktion. Das soll sich im Jahr 2013 ändern.