In Kuhhorst weht ein frischer Wind - nicht nur über den Luchwiesen, sondern auch auf dem Ökohof.
Äußerlich können die Besucher das bereits an einem neuen Label erkennen. Die freundliche grüne Kuh mit der Blume im Maul ist verschwunden. Dafür gibt es jetzt Hasen, Schweine, Hühner und viel Gemüse unter der Überschrift "Die Kuhhorster sind da". Im Herbst 2009 kam ein neuer Mann nach Kuhhorst. Als Vertreter des erkrankten Heinz-Joachim Brych leitet der 48-jährige Helmut Schattka nun schon seit über einem Jahr den Ökohof. Der Landwirt vom Müncheberger Hof "Apfeltraum" (Märkisch-Oderland) züchtete bisher Rinder und Schafe, beschäftigte sich mit ökologisch-dynamischem Landbau, ist Forstwirt und Elektromechaniker.
Auf dem Ökohof, der 1991 als Modellprojekt zur beruflichen Förderung behinderter Menschen vom Mosaik-Verein gegründet wurde, gab es in den vergangenen Monaten viele Veränderungen: Der Schweinenachwuchs ist nicht mehr reinrassig. Die Ferkel haben eine Sattelschwein- Mama und einen Duroc-Vater. "Auch wir müssen uns an die neue Zeit anpassen", sagt Helmut Schattka. "Wir achten auf die Ernährung und gehen ins Fitnesscenter. Wir können aber nicht Schweine züchten, um anschließend das Fett wegzuwerfen." Sattelschweine, die bisher auf dem Ökohof gehalten wurden, gehören zu einer alten Nutztierrasse. Da das Fleisch nicht so mager ist, wie von den Verbrauchern heute gewünscht, ist das Tier nicht mehr so beliebt.
"Die Wurst kann ja im Endeffekt keiner bezahlen" sagt der Hofchef. Die verbleibenden Sattelschweine werden nun auf Diät gesetzt - sie bekommen mehr Grünfutter und weniger Schrot. In den vergangenen anderthalb Jahren wurden auch im Kuhstall 50 Prozent der Tiere ausgetauscht. Die Holstein-Friesian-Rinder müssen dem Schwarzbunten Niederungsvieh weichen. "Die Holsteiner wurden für hohe Milchleistungen gezüchtet und benötigen energie- und eiweißreiche Nahrung", erklärt Schattka. "Das Niederungsvieh ist für Fleisch- und Milchproduktion geeignet. Als Futter reichen Gras, Heu und Silage aus."
Für die Fleisch- und Wurstverarbeitung schaffte der Betrieb neue Maschinen an. Die Gänse und Enten, die im Mai eingekauft werden, bekommen neue transportable Ställe und auf den Äckern wollen die Betreiber konsequenter auf die Einhaltung von Fruchtfolgen achten. Der Betrieb, der jetzt vom Bioland- zum anthroposophisch ausgerichteten Demeterverband gewechselt ist, will aber auch etwas für die Menschen auf dem Hof tun: "Ab Juli sollen unsere Angestellten auch Bio-Mittagbrot bekommen. Es ist ja unmöglich, dass wir ökologische Lebensmittel produzieren, unsere Mitarbeiter aber mit Tiefkühlkosten abfertigen", sagt Helmut Schattka.


