Junge Marzahner schreiben ein Bio-Kochbuch
Armer Ritter" ist eine Lieblingsspeise von Max Bracke. Der 21-jährige Mitarbeiter in einem Planungsbüro mag die in Eier getauchten Brotscheiben, die geröstet und mit gebratenen Äpfeln serviert werden. Das Rezept steuerte er für ein Kochbüchlein bei, mit dem die Einwohner von Marzahn-Hellersdorf für Lebensmittel aus biologischem Anbau begeistert werden sollen. Keine einfache Sache in einem Bezirk, in dem es keinen einzigen Bioladen gibt.
Fünf Mitglieder der Grünen Jugend aus Marzahn-Hellersdorf haben das Heftchen "Bio für alle" geschrieben. Sie wollen beweisen, dass man sich auch in bioladen-freien Zonen ökologisch und gesund ernähren kann. Und dass das nicht einmal teuer sein muss. Zu diesem Zweck haben sie nicht nur Rezepte für Salate, Suppen, Fleisch- und vegetarische Gerichte gesammelt, sondern auch Supermärkte und Discounter abgegrast.
"Wir haben Preisvergleiche gemacht ", sagt Editha Masberg. Was beispielsweise ein Kilogramm Äpfel oder Basmati-Reis in einem Bio-Markt in Friedrichshain oder Prenzlauer Berg kostet und wie viel Geld für ähnliche Bio-Produkte in einem herkömmlichen Supermarkt zu zahlen ist, haben sie akribisch aufgelistet. "Die meisten Leute sind ganz erstaunt, wenn sie das sehen", sagt die 18-jährige Schülerin. Denn mitunter gibt es in der Preisfrage kaum Unterschiede.
Manche Gerichte haben die Autoren bei den Eltern erfragen müssen. Denn die wenigsten von ihnen haben einen eigenen Haushalt. Das Rezept für mediterrane Spaghetti mit Bändern aus Zucchini, Kohlrabi und Karotten beispielsweise stammt von Edithas Mutter. "Aber wir kochen schon alle selbst gern", sagt Philipp Andrich, der gerade sein Wirtschaftsabitur macht. Von ihm stammt das Rezept für eine Mousse au Chocolat - der 22-Jährige mag es süß.
Mit dem Projekt "Bio für alle" haben die jungen Leute einen Wettbewerb gewonnen, ausgerichtet von der Unesco und einem Drogeriemarkt. Die tausend Euro Preisgeld flossen in die ersten 500 Rezept-Heftchen, die kostenlos verteilt werden. Jetzt sammeln sie Geld für eine Neuauflage. Denn die Reaktionen haben sie ermutigt weiterzumachen. Als sie die Heftchen in einem Einkaufszentrum verteilten, sei eine Frau auf sie zugekommen, die wollte, dass sie eine Demo organisieren, erzählt Editha: "Für einen Biomarkt im Bezirk."


