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21.10.2010 - Schweizer Käse aus der Mark (Märkische Allgemeine)

Die Gläserne Molkerei in Münchehofe ist nun "Ort im Land der Ideen"

Jetzt ist es raus: Die grinsende Kuh aus Holz, das Wahrzeichen der Gläsernen Molkerei in Münchehofe, soll "Müncheliese" heißen. Den Namen hat die Skulptur seit Mittwoch weg. Nicht nur deswegen wird sich die Geschäftsführung den 20. Oktober 2010 ganz dick im Kalender anstreichen: Gestern nämlich wurde die Gläserne Molkerei ausgezeichnet als einer von bundesweit "365 Orten im Land der Ideen". Zur Feier des Tages veranstaltete das Unternehmen noch gleich einen "Tag der offenen Türen" dazu.

Für jeden Tag werden 365 Unternehmen mit innovativen Ideen pro Jahr von der Bundesregierung und der Deutschen Bank mit dem Preis prämiert. Er sei "überwältigt vom Zulauf", sagte Geschäftsführer Hubert Böhmann, der zusammen mit seiner Tochter Kirsten Böhmann die Ehrung entgegen nahm. Bis Mittag bereits hatten rund 500 Menschen die Molkerei besichtigt, schätzte er, darunter Schüler und Kitakinder aus Berlin. Sie wurden Zeugen der Käseproduktion, was in Münchehofe allerdings an jedem anderen Tag auch möglich ist. Den Prozess durch große Glasscheiben mitverfolgen zu können, ist schließlich das Konzept, für das die Molkerei gestern die Auszeichnung erhielt.

Die Idee dazu ist neu. Die Technik aber – Milchwanne, Pressmaschine, Wenderoboter – kommt aus der Schweiz. Und: in dem 12.000 Käselaibe umfassenden Reiferaum herrscht ein Klima wie in einer verborgenen Berghöhle in den Alpen: kalt, mit hoher Luftfeuchtigkeit. Den Wenderoboter "Urs" zu nennen, war den Münchehofern dann aber doch zu schweizerisch. Das war einer von zwei Vorschlägen, die der Hersteller der Gläsernen Molkerei gemacht hat, weil das Gerät ohne Betriebsnummer ausgeliefert wird. Die Käsehersteller entschieden sich daher für "Toni".

Mit Führungen haben die Münchehofer Erfahrung. „Vor allem ältere Leute wollen wissen, warum man aus der Milch heute keine Dickmilch mehr machen kann“, sagt Katja Koblitz. Die Ernährungswissenschaftlerin ist in der Gläsernen Molkerei dafür zuständig, dass die Qualität stimmt. „Weil die Milch schon auf dem Bauernhof heruntergekühlt wird, entstehen bestimmte Bakterienkulturen erst gar nicht, die für die Dickmilch nötig sind“, erklärt sie. Mit einer unnatürlichen Produktionsweise hat das jedenfalls nichts zu tun: Jeder Tropfen, der in der Molkerei zu Käse, Quark, Rahm, Butter, Joghurt oder Trinkmilch verarbeitet wird, genügt höchsten Bio-Ansprüchen. Kein Wunder, dass Bio-Supermärkte und der Bio-Großhandel zu den Hauptkunden der Gläsernen Molkerei zählen.

Und auch das interessierte gestern die Leute brennend: "6.000 Liter Milch werden derzeit pro Stunde verarbeitet", erklärt Katja Koblitz. Das ist die Menge, die in die große Milchwanne passt. Eine Füllung ergibt ungefähr 150 Käselaibe, die zunächst gepresst werden und dann zwischen 24 und 36 Stunden in Meerwasser lagern. Dadurch erst entsteht die Rinde, die im Prinzip extrem fester Käse ist. Wie lange ein Laib bereits reift, erkennt der Käsemeister an Farbe und Form. "Je länger die Laibe liegen, desto dunkler und flacher werden sie", sagt Katja Koblitz. Der Käse verliert während des Reifeprozesses Wasser. Ältere Sorten sind daher härter als jüngere Arten.

Am Ende einer jeden Besichtigungsrunde hatten die Molkerei-Mitarbeiter die Besucher gründlich informiert. Sie erfuhren alles über die Käseherstellung, dass eine Kuh drei Säcke Heu pro Tag verdrückt und dass ein ovales Siegel auf jeder Milchpackung anzeigt, woher der Inhalt stammt – im Falle der Gläsernen Molkerei von knapp hundert Bauern aus der Umgebung. Natürlich konnten die Besucher die Produkte auch verkosten. "Müncheliese" erhielt ihren Namen übrigens von einer Jury in der Bürgermeister Ralf Irmscher, Skulpturschnitzer Frank Winkler, Familie Schneider als Holzspender und die Böhmanns als Geschäftsführer der Gläsernen Molkerei saßen. Sie wählten aus 50 Vorschlägen aus, die die Münchehofener und Besucher der Molkerei eingereicht hatten.