Online Einkaufsführer Newsletter Veranstaltungskalender


Detailansicht
27.09.2011 - Soja mit Nebenwirkung (Neues Deutschland)

Petition gegen Gentech-Pflanzen in der Landwirtschaft

In der EU sind derzeit zwei gentechnisch veränderte Pflanzen zum kommerziellen Anbau zugelassen, 26 weitere stehen im Zulassungsverfahren, obwohl viele Kritiker die derzeitigen Zulassungsverfahren für ungenügend halten Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat deshalb eine Petition an den Bundestag initiert, die am Montag im Petitionsausschuss öffentlich diskutiert wurde.

Gegen gentechnische veränderte Pflanzen zu sein, ist in Deutschland eine weitgehend mehrheitsfähige Meinung. Das zeigten auch die Fragen der Mitglieder des Petititionsausschusses bei der Anhörung. Einzig die FDP glänzte durch Statements für die Gentechnik. International allerdings sieht das etwas anders aus. In den USA oder in Argentinien etwa werden bei Soja oder Mais schon überwiegend Sorten aus den Genlabors der großen Agrochemiekonzerne Monsanto, Syngenta und Bayer CropScience angebaut.

Bei einem Pressegespräch im Vorfeld der Ausschusssitzung erläuterte der BÖLW-Vorstandsvorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein die Gründe für die Petition. "Das EU-Zulassungsverfahren von Gentech-Pflanzen hält nicht, was es verspricht", kritisierte er. Die Petition soll die Bundesregierung veranlassen, sich in Brüssel für eine Verbesserung dieses Zulassungsverfahrens einzusetzen. Bis zur Reform solle in der EU die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen ausgesetzt werden und ein regionales Anbauverbot ermöglicht werden.

Christoph Then vom Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie Testbiotech kritisierte, dass die von der zuständigen Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA praktizierte "vergleichende Risikoprüfung" für Gentech-Pflanzen ungeeignet sei. Sofern in den Pflanzen kein bisher unbekannter Inhaltsstoff auftaucht, gebe es keine Fütterungsversuche, schon gar nicht über mehrere Generationen. Dabei hätten die wenigen Fütteruzngsversuche bei Zulassungsverfahren bei Zulassungsverfahren Hinweise auf unerwartete Veränderungen im Blutbild ergeben.

Der Embryologe André Carrasco von der Universität Buenos Aires berichtete über einen weiteren indirekten schädlichen Effekt des großflächigen Anbaus der Gentech-Pflanzen. Bei den dominierenden Sojasorten in seinem Land wurde ein Resistenzgen gegen die Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat bzw. Glufosinat eingebaut. Infolge dessen ist der Verbrauch dieser Herbizide seit 1996 exponentiell angestiegen. Parallel dazu vervierfachte sich laut der Provinzregierung von Chaco die Zahl der Fehlbildungen bei Neugeborenen und die Krebserkrankungen verdreifachten sich. Bei Laborversuchen mit Frosch- und Hühnerembryonen zeigte sich, dass auch bei sehr hohen Verdünnungen von Glyphosat noch eine erhöhte Fehlbildungsrate zu beobachten ist.

Claire Robinson vom britischen Informationsdienst GM Watch erinnerte daran, dass diese Effekte bereits aus den ersten Zulassungsunterlagen bekannt waren, allerdings in der EU maßgeblich von deutscher Seite als unbedeutender Nebeneffekt heruntergespielt worden war.