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29.12.2010 - Sparen an der Bio-Landwirtschaft (Neues Deutschland)

Wachsende Konkurrenz aus dem Ausland sowie geplante Förderkürzungen in Bund und Ländern machen den deutschen Bio-Bauern zu schaffen.

Senf mit Feige, Mango-Mousse, Chili-Salzstangen: Das Sortiment in den deutschen Bioläden hat mit den klassischen Reformhäusern der 90er Jahre nicht mehr viel gemein. Der Trend zur Feinkost beschert dem Handel vor allem in Großstädten, wo Bio-Läden hip sind und die kaufkräftigen Kunden beim Einkaufen nicht auf jeden Cent schauen, steigende Umsätze. Nach guten Geschäften im ablaufenden Jahr rechnet die Bio-Branche auch für 2011 mit Wachstum. "Wir sehen einen weiteren Aufwärtstrend", sagt Gerald Wehde vom Öko-Anbauverband Bioland. Wie viele der Bio-Lebensmittel aber in Zukunft noch aus Deutschland kommen, ist ungewiss.

Schon jetzt macht Bio-Obst und Gemüse aus dem Ausland den heimischen Bio-Bauern Konkurrenz. "Gerade Osteuropa hat ordentlich Gas gegeben." In Deutschland hingegen könnten sich die Rahmenbedingungen für die Bio-Bauern im kommenden Jahr deutlich verschlechtern. Zum Entsetzen der Bio-Branche hatten Union und FDP im Herbst beschlossen, den Fördertopf für den Öko-Landbau, der mit 16 Millionen Euro ohnehin nicht besonders prall gefüllt ist, auch für andere Bauernhöfe zu öffnen. "Damit nimmt man uns das letzte Geld und investiert lieber in Gentechnik", befürchtet Wehde.

Aber auch einige Bundesländer denken angesichts klammer Kassen über Kürzungen bei der Bio-Förderung nach. In Schleswig-Holstein, Brandenburg und Baden-Württemberg gibt es nach Angaben des WWF Pläne, die Förderung zu streichen oder deutlich zu reduzieren. "Dies könnte das Aus für zahlreiche Bio-Landwirte bedeuten." Das Stuttgarter Ernährungsministerium widerspricht: Baden-Württemberg habe eines der finanziell am besten ausgestatteten Agrarumweltprogramme in Deutschland mit einem Fördervolumen von 99 Millionen Euro, so eine Sprecherin. Trotz der angespannten Haushaltslage habe das Land Anfang Dezember beschlossen, zusätzliche sechs Millionen Euro für das Programm einzusetzen.

Durch den Wegfall der Förderung würden einem durchschnittlich großen Bio-Bauern pro Jahr rund 8000 Euro fehlen, rechnet der Öko-Bauernverband Naturland vor. "Das macht für die Betriebe einen großen Unterschied." Dabei nimmt das Interesse der Kunden an Bio-Lebensmitteln ständig zu. Von 1997 bis 2009 hat sich der gesamte Bio-Umsatz in Deutschland auf 5,8 Milliarden Euro vervierfacht. Der Umsatz wachse in den traditionellen Bioläden seit 2008 stärker als in den Supermärkten und Discountern des konventionellen Lebensmittelhandels, sagt eine Sprecherin des Bundesverbandes Naturkost und Naturwaren.

Nach stürmischen Jahren hat sich das Wachstum zuletzt aber abgeschwächt. Im gesamten Lebensmittelmarkt hat Bio einen Marktanteil im einstelligen Prozentbereich. Beim Fleisch macht der Bio-Anteil nach Angaben von Naturland gerade einmal 0,5 bis ein Prozent aus. Neu ins Sortiment nehmen viele Bio-Läden inzwischen auch Fisch. Vor allem die ökologische Forellen-Zucht gewinnt in Deutschland an Bedeutung. Allerdings sind viele Verbraucher nicht bereit, die meist deutlich höheren Preise für Bio-Lebensmittel zu zahlen. Die Wertschätzung für Lebensmittel ist nach Ansicht von Naturland-Sprecher Carsten Veller bei vielen Menschen nicht so stark ausgeprägt wie in anderen Ländern.