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08.01.2010 - Spreewälder Öko-Bewusstsein (Lausitzer Rundschau)

Die gesamte Bio-Milch aus dem Spreewald kann nun auch vor Ort verarbeitet werden. Möglich macht das der Neubau der Bio-Molkerei in Münchehofe. Das Unternehmen versechsfacht mit der Erweiterung seine jährliche Kapazität von bislang sechs auf rund 35 Millionen Liter. Gleichzeitig können Besucher alle Produktionsprozesse verfolgen, denn die Gläserne Molkerei ist ein Schaubetrieb, der damit auch zum Ausflugs ziel für Touristen werden soll.

Während in Elsterwerda das Campina-Milchwerk mit 365 Mitarbeitern vor dem Aus steht, werden in Münchehofe 12,3 Millionen Euro in einen Neubau investiert. Für Kirstin Böhmann von der Geschäftsführung der Gläserne Molkerei GmbH ist das kein Widerspruch. "Der Preis für Bio-Milch hat sich in den vergangenen Jahren abgekoppelt und liegt heute zwischen 15 und 17 Cent über dem konventionell produzierter Milch", sagt sie. Ohne die Entscheidung von Campina kommentieren zu wollen, erklärt sie, dass auf dem Milchmarkt ein starker Globalisierungsdruck herrscht. "Bei uns ist genau das Gegenteil der Fall", sagt sie. Ihr Vater und Geschäftsführer des Unternehmens unterstreicht das mit dem Satz: "Käse braucht Heimat."

Das Unternehmen habe sich aus diesem Grund ganz bewusst für die Region entschieden, schließlich liege der Anteil der ökologischen Landwirtschaft in Brandenburg bei elf Prozent und sei damit bundesweit am höchsten. Das schafft Arbeitsplätze. So soll die Mitarbeiterzahl in den kommenden Jahren von derzeit 23 auf 45 anwachsen. Zu den 100 Landwirten aus Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, die den Betrieb beliefern, gehören im Spreewald neben der Agrargenossenschaft Münchehofe, das Landgut Pretschen, die Agrargenossenschaften Spreetal und Radensdorf, das Gut Ogrosen, die Milchviehhaltung Schwielochsee und die Höfe der Familien Baumgartner und Gotze in Alt Zauche.

Für Geschäftsführer Hubert Böhmann sind glaubwürdige regionale Bio-Produkte das Credo. Das spiegelt sich in der Molkerei und Käserei in vielen Facetten wider. So wird nicht nur Bio verarbeitet, sondern es steckt auch Öko im Betrieb. So wird die Abwärme aus der Produktion für die Heizung genutzt, das Haus lässt kaum Energie entweichen, die Lamellen an der Fassade sind aus zertifizierten Lärchenholz. Und an die neue Bio-Kläranlage für den Betrieb ist bereits fast die Hälfte des Dorfes angeschlossen. Münchehofe will sich zur Öko-Gemeinde entwickeln, wie Bürgermeister Ralf Irmscher erklärt. Die Gläserne Molkerei habe den Ort bei dem Vorhaben vorangebracht. Das Konzept überzeugt auch Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD). "Brandenburg hat eine Achillesferse, die mangelnde Verarbeitung vor Ort. Dieser Betrieb ist eine Initialzündung, um diese Lücke zu schließen."