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17.03.2011 - Spreewald-Marke aufpeppen (Lausitzer Rundschau)

Der Spreewaldverein in Lübben hat die Landwirte und Dienstleister der Region aufgefordert, gemeinsam "mehr aus der Marke Spreewald zu machen". Geschäftsführer Lutz Habermann sagte auf einem von der Spreewaldbank initiierten Landwirte-Treffen, man dürfe sich auf "Gurke, Kahn und Grün nicht ausruhen".

Die Marke, so Habermann, müsse "aufgeladen" werden. Mit gut 42.000 Tonnen Gurkenproduktion und als zweitgrößtes Anbaugebiet könne "aus diesem Potenzial mehr gemacht werden". Die Region müsse zudem darauf achten, dass der derzeitige Marktanteil bei der Gurke von 20 Prozent "nicht wegrutscht". Unterpfand sei die Qualität, die der Kunden mit der Marke Spreewald verbinde. "Dann ist er auch bereit, etwas mehr für die Produkte zu bezahlen", so Habermann. Entsprechende Erfahrungen habe der Verein mit seinem Spreewald-Markt am Bahnhof Berlin-Friedrichstraße gemacht.

In eine ähnliche Kerbe schlägt Landwirt Heiko Terno, der Vizepräsident des Landesbauernverbandes. Immerhin etwa 15 Prozent des Bio-Produkt-Angebotes in Berlin, dem wichtigsten Markt, stamme aus dem Wirtschaftsraum Spreewald. "Regionalität muss bezahlt werden. In Ungarn kostet ein Arbeiter 200 Euro, hier 2.000 Euro, der ungarische Kohlkopf kostet 18 Cent, der hiesige aber nur 19 Cent." Landwirte müssten von ihrer Arbeit auch leben können.

Als "Grundübel" bezeichnet Carsten Müller-Stein von der Gläsernen Molkerei in Münchehofe den Umstand, dass "die Arbeit von Landwirten nicht ausreichend gewürdigt" werde. In Münchehofe sei immerhin der Trend zu beobachten, dass immer mehr Leute wissen wollen, von welchem Bauern die Milch kommt und wie sie verarbeitet wird. In Münchehofe am Rande des Biosphärenreservats werden jährlich etwa 35 Millionen Kilogramm Milch zu verschiedenen Produkten verarbeitet. Die Qualität beginne beim Rohstoff. Müller-Stein: "Wir zahlen mehr Geld für spezielle Rohstoffe, beispielsweise für Heumilch. Wir hoffen, dass wir diese Rohstoffe in der Region finden." Dabei brauche die Gläserne Molkerei derzeit nicht mehr Milch, sondern eher die höhere Qualität.

Das aber, moniert Carmen Lorenz, die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Südbrandenburg, schlage sich im Preis nicht nieder. "Beim Erzeuger kommt nichts davon an." Einige Milchbauern würden aufgeben müssen. Müller-Stein hält dem entgegen, dass im Handel Bio-Produkte, so ein Liter Milch, für weniger als einen Euro angeboten werden. Die Deutschen, sagt Heiko Terno, geben durchschnittlich nur elf Prozent für Nahrung aus - das gelingt, weil der Einzelhandel nach Ternos Auffassung seinen Preiskampf "auf dem Rücken der Bauern" führt.

Das aber könne niemanden im Spreewald kalt lassen, der ja neben der Landwirtschaft hauptsächlich vom Tourismus lebe. Der Zusammenhang sei doch klar, sagt Terno: "Nur wo eine Kuh auf der Wiese steht, kann man auch den Touristen melken."