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16.01.2014 - Starkes Jahr für Bio in Berlin-Brandenburg - Fakten und Trends sowie politische Rahmenbedingungen (FÖL)

Für den Naturkostfachhandel der Metropolregion Berlin-Brandenburg ist 2013 ein gutes Jahr gewesen: Der Umsatz stieg um über 10 % und damit zum wiederholten Mal im zweistelligen Bereich an. Vor allem der Fokus auf Regionalität, im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde, zahlte sich dabei aus.

Allein auf den bestehenden Verkaufsflächen verzeichnete die regionale Bio-Branche ein Wachstum von 6 %. Ein zusätzlicher Schub kam von den Bio-Supermärkten und deren neuen Flächen – 2013 war ein richtiges Rekordjahr bei der Eröffnung weiterer Filialen. Der Branchenführer in der Region, der Bio-Supermarktbetreiber Bio Company, erhöhte die Anzahl seiner Filialen um 6 auf aktuell 32 Filialen, es folgen denn’s (von 8 auf 12 Filialen), Alnatura (von 7 auf 10 Filialen) und die LPG (von 6 auf 7 Filialen). In der gesamten Region stieg die Anzahl der Bio-Supermärkte von 61 auf 75 (davon 2 in Potsdam), ein Anstieg um über 22 %. In 2014 ist nach jetzigem Kenntnisstand erneut von mindestens zehn Neueröffnungen auszugehen.

Der Gesamtumsatz des regionalen Fachhandels lag 2013 nach Schätzungen der FÖL bereits bei über 320 Millionen Euro. Hierbei sind auch die Vertriebswege Direktvermarktung von Erzeuger- und Handwerksbetrieben sowie der Abokisten berücksichtigt. Nach wie vor behaupten sich neben den Bio-Supermärkten die "Kleinen", inhabergeführten Bio-Läden, was Neueröffnungen von Naturkostgeschäften wie Bioase 44 in Berlin-Neukölln beweisen.
 
Fleischlos glücklich

Im urbanen Umfeld Berlins greifen immer mehr Menschen zu Bio, weil die Missstände in der konventionellen Landwirtschaft zunehmend ins öffentliche Bewusstsein dringen und sie veranlassen, ihr eigenes Ernährungsverhalten zu hinterfragen. Gerade der Trend zur Massentierhaltung in Verbindung mit steigenden Antibiotika- und Hormoneinsätzen bringt viele Menschen dazu, das wachsende  Bedürfnis nach einer gesunden Ernährung konsequent mit einer vegetarischen oder gar veganen Lebensweise zu verbinden.
 
Stillstand bei Öko-Flächen
Schon seit vielen Jahren ruft der Berliner Markt in immer lauteren Tönen nach mehr verkaufsfähiger Bio-Ware made in Brandenburg. Leider kommt dieser Ruf bei der Brandenburger Landesregierung nicht an. Anders ist der Brandenburger Sonderweg nicht zu erklären, in den letzten drei Jahren als einziges Bundesland die Umstellungsförderung komplett auszusetzen.
 
Entsprechend stieg die ökologisch bewirtschaftete Fläche in 2013 lediglich um 0,74 % auf 143.836 Hektar an, was einem Öko-Flächenanteil von 10,9 % entspricht.
 
Brandenburg verschläft ohne Not langfristigen Trend
Beim Blick auf die langjährige Entwicklung der Brandenburger Öko-Fläche fällt auf, dass diese seit 2004 nur noch marginal mit jährlichen Durchschnittswerten von gerade mal 1,54 % gestiegen ist, während der Markt im gleichen Zeitraum geradezu explodierte und um durchschnittlich 10 % p.a. anstieg. Anders formuliert: In Brandenburg wurden die letzten 10 Jahre lediglich 11,7 % der heutigen Öko-Fläche umgestellt, der Löwenanteil der heutigen Anbaufläche stammt wesentlich aus den 90er-Jahren, als es praktisch noch keinen Markt gab und die Betriebe vorrangig von der Öko-Prämie leben mussten.
 
Vor diesem Hintergrund verblasst auch das Argument der Brandenburger Landesregierung, dass man ja hinsichtlich des relativen Flächenanteils mit 10,9 % bundesweit Spitzenreiter sei. Hessen und Saarland (je 10,7 %) sind schon auf dem Sprung, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (9,3 %) und Baden-Württemberg (8,2 %). Bayern hat in 2013 sogar erklärt, seine Öko-Fläche bis 2020 verdoppeln zu wollen. In Brandenburg passiert dagegen das Gegenteil: Eine historische Chance, die Vorreiterrolle des Landes auszubauen und den laut rufenden Berliner Markt mit regionalen Bio-Produkten zu bedienen, wird vertan.
 
Hoffnung auf neue Förderperiode
Seitdem sich die Landwirtschaftsminister am 4. November 2013 bei der Agrarministerkonferenz in München geeinigt haben, steht die finanzielle Ausstattung für die nächste Förderperiode in der zweiten Säule fest. Daraus resultieren aus Sicht des Brandenburger Ökolandbaus folgende Punkte:

1) Wie von der Ökoverbandsseite und auch von allen anderen Bundesländern prognostiziert, wird die Öko-Prämie von der EU voll unterstützt – das dreijährige Aussetzen der Prämie war daher erwartungsgemäß, wie auch schon in den Jahren 2004/05, unnötig. Seit Ende 2013 besteht nun auf Landesebene wieder Planungssicherheit für bestehende Bio-Betriebe und Umstellungsbetriebe, jedoch auf einem sehr geringen Niveau.
 
Um angesichts der schwierigen ökonomischen Rahmenbedingungen wirksame Anreize für eine Umstellung auf den Ökolandbau zu setzen, müssen die Umstellungs- und Beibehaltungsprämien deutlich erhöht werden. Als Orientierung plant das agrarstrukturell vergleichbare Mecklenburg-Vorpommern bereits, seine Prämie ab 2015 von 150 auf 210 Euro/ha zu erhöhen. Brandenburg hat mit derzeit 137,- Euro/ha Beibehaltungsprämie den bundesweit niedrigsten Wert.
 
2) Die ganze Bio-Branche hofft nun auch auf bessere Rahmenbedingungen für den Aufbau und die Verlängerung von Wertschöpfungsketten (Stichwort: Verarbeitung) und insbesondere auf ein neues Instrument: Die „Europäische Innovationspartnerschaft Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“. Dieses von der EU für die nächste Förderperiode vorgegebene Programm würde es der Branche bzw. einzelnen Marktakteuren ermöglichen, einige der offensichtlichsten Lücken in der Versorgung des Berliner Marktes mit verkaufsfähigen Bio-Produkten made in Brandenburg anzugehen bzw. zu schließen.

Bestes Beispiel ist die Versorgung der Berliner Schulcaterer mit regionalem Bio-Obst und –Gemüse. Da ab dem 1. Februar 2014 die Schulverpflegung an allen Grundschulen in Berlin künftig nach der Qualität und nicht mehr nach dem billigsten Preis vergeben wird, besteht die historische Chance, gezielt Erzeugerbetriebe anzusprechen, um diese für die Bedienung dieses Zukunftsmarktes zu gewinnen und damit einen nachhaltigen Zugang zum Berliner Markt zu erschließen. Ähnliche Ansatzpunkte werden in der Bio-Branche für die Bereiche Tiefkühlkost, alte Getreidesorten und Mühlenprodukte, Tee und Gewürze, die Versorgung von Gastronomie und Hotelerie diskutiert und ausgearbeitet.
 
Gemeinschaftsstand in der Brandenburg-Halle
Vom 17. bis zum 26. Januar 2014 laden auf der Grünen Woche insgesamt 12 Aussteller an den Bio-Gemeinschaftsstand der FÖL in der Brandenburg-Halle 21a zum Probieren und Genießen ein. Messeneuheiten sind "Dreierlei Schnecken am Spieß" und Havelländer Wirsingkohlbrot (BioBackHaus), Schichtkäse und Mönchshofer Bio-Winterkäse (Gläserne Molkerei), Kaiser-Wilhelm-Apfelsaft und Sonnenblumenöl (SteinReich/SpeiseGut) sowie Wurst im Glas (Backschwein-Tenne). Weitere Aussteller sind Manufaktur von Blythen, Gärtnerei Luch, Landkorb-Lieferservice, Kunella Feinkost, Obst- und Gemüsehof Teltower, EssigArt und das Weingut Klosterhof Töplitz.

Die FÖL verteilt auf der Grünen Woche den druckfrischen Ausflugsplaner "Bio-Termine in Stadt und Land". Das kostenfreie Heft ist am Bio-Gemeinschaftsstand (Stand-Nr. 136, 139-142), bei anderen Bio-Ausstellern in der Brandenburg-Halle 21a und in der neuen Biohalle 1.2b erhältlich. Mehr Infos zu regionalem Bio auf der Grünen Woche: www.bio-berlin-brandenburg.de.

Der Bio-Gemeinschaftsstand wird von der FÖL in Zusammenarbeit mit den regionalen Anbauverbänden Demeter, Bioland, Naturland und Verbund Ökohöfe Nordost organisiert.
 
Kontakt
Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau
Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V.
Michael Wimmer - Geschäftsführung
Marienstraße 19-20
10117 Berlin
Tel.: 030 284824-39
Mobil: 0179 4527147
Fax: 030 284824-48
E-Mail: m.wimmer[AT]foel.de
www.bio-berlin-brandenburg.de