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08.06.2010 - Streit um verunreinigte Maissaat (Uckermark Kurier)

Naturschützer und Ökolandwirte kritisieren die Genmais-Panne scharf. Das Verbraucherschutzministerium sieht noch keinen Handlungsbedarf.

Seit einem Jahr ist der Anbau von Genmais in Deutschland verboten. Doch nun ist in Brandenburg und Mecklenburg- Vorpommern eingetreten, wovor Umweltschützer immer gewarnt haben: Offensichtlich genetisch verändertes Mais- Saatgut wurde an Landwirte ausgeliefert. Für die Umweltschutzorganisation Greenpeace ist es des "bisher größte Gentechnik-Saatgut-Skandal in Deutschland". Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat Laborergebnisse zu spät bekannt gegeben.

"Uns liegen erst seit heute morgen Informationen vor, wer beliefert worden ist. Ob die Saat bereits ausgebracht wurde, können wir derzeit noch nicht sagen", sagte für der Gentechnik im brandenburgischen Verbraucherschutzministerium zuständige Referatsleiter Peter Rudolph. Welche Betriebe betroffen sind, werde nicht bekannt gegeben. Nach Angaben des Ministeriums haben zwei Betriebe im Land das verseuchte Saatgut erhalten. Geliefert hat es das Unternehmen Pioneer aus dem niedersächsischen Buxtehude, das zum US-Konzerns DuPont gehört und auch genetisch veränderten Pflanzensamen vertreibt.

Bereits im April waren deutschlandweit zahlreiche Mais-Saatgut-Proben beanstandet worden. Allein in Brandenburg wurde bei fünf von insgesamt 33 Proben genetisch verändertes Erbgut gefunden. Doch weil aus Sicht des brandenburgischen Verbraucherschutzministerium gar nicht einwandfrei feststeht, dass durch die Panne bei den niedersächsischen Behörden tatsächlich genetisch veränderter Mais auf märkischen Feldern wächst, sind laut Rudolph vorerst keine weiteren Maßnahmen geplant. Allein der Verdacht rechtfertige noch keine Beschlagnahme und Vernichtung möglicherweise betroffener Pflanzen.

Das belastete Saatgut war im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium bereits seit Februar bekannt. Nach Angaben von Greenpeace wurden die Befunde aber erst Ende April dem Umweltministerium des Landes weitergeleitet. Eine derartige Verzögerung bei der Offenlegung von Laborergebnisse habe es bislang nicht gegeben, sagte eine Sprecherin der Umweltorganisation. Es stelle sich die Frage, ob in diesem Fall vorsätzlich Informationen zurückgehalten worden sind, zumal Niedersachsen Landesregierung als Gentechnik-freundlich gilt. Das Agrarministerium in Hannover wies "jegliche Vertuschungsvorwürfe" scharf zurück. Es gebe eine Zeitlücke von maximal zwei Wochen, sagte ein Sprecher. Dass das verunreinigte Saatgut eine Gefahr für die Sortenreinheit von Mais in Deutschland sei, glaubt das Ministerium nicht.

Das brandenburgischen Verbraucherschutzministerium aber sieht größere Versäumnisse der niedersächsischen Behörden. "Da ist von Anfang an alles schief gelaufen", sagte Referatsleiter Rudolph. Neben dem Zeitverzug bei Bekanntgabe der Proben sorgt Untersuchung der Proben für Problem, es gibt Zweifel an den Ergebnissen. "Die Entnahme der Proben und auch die Untersuchungen sind offensichtlich nicht gemäß der üblichen Standards durchgeführt worden", sagte Rudolph. Es sei anscheinend nicht gewährleistet, dass die untersuchten Proben tatsächlich mit dem ausgelieferten Saatgut übereinstimmen. Diesen Schluss habe auch das Verwaltungsgericht Stade gezogen, als es kürzlich die Offenlegung der Lieferadressen durch Pioneer beschloss und dabei aber auch die Untersuchungen der Proben durch das Land Niedersachsen rügte. Ein Ministeriumssprecher in Hannover versicherte hingegen erneut, die Proben seien wissenschaftlich korrekt entnommen und untersucht worden.

Der Geschäftsführer des BUND-Landesverbandes Brandenburg, Axel Kruschat, warnte: "Der Genmais ist gar nicht zugelassen, trotzdem gibt es Verunreinigungen. Was passiert erst, wenn das zugelassen wird?" Bereits bei der genehmigten Aussaat von Genmais vor einigen Jahren in Brandenburg habe sein Verband auf die Folgen aufmerksam gemacht. "Jetzt ist das eingetreten, was wir immer befürchtet haben." Besonders die in Brandenburg etablierte Ökolandwirtschaft sei durch derlei Entwicklungen in ihrer Existenz gefährdet, konventionell angebauter Mais nicht mehr von Genmais zu trennen. Michael Wimmer von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg sagte: "Wenn die Saatgutindustrie und jetzt auch noch die Behörden beweisen, dass sie die Trennung nicht im Griff haben, sollen sie endlich die Finger davon lassen." Es müsse sichergestellt werden, "dass ökologisch wirtschaftende Betriebe in der Nachbarschaft nicht gefährdet werden".