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16.07.2010 - Veltener Fleischverarbeitungsbetrieb etabliert neue Produktionskette (Märkische Allgemeine)

Sie heißt nicht mehr Bio-Manufaktur, doch das Thema Bio ist nicht vom Tisch. Weil in der Fünf-Sterne-Gastronomie der Name "Bio" nicht mehr so angesagt sei, habe man sich im Firmennamen nicht mehr extra darauf fokussiert, begründet Geschäftsführer Winfried Koch die Namensänderung.

2008 eröffnet mit einer wöchentlichen Produktion von knapp zehn Tonnen Wurst- und Fleischwaren, verlassen derzeit etwa 4,5 Tonnen pro Woche die Manufaktur Velten. Letztere hat schwere Zeiten hinter sich. In der Breite des Sortiments habe man dem extremen Preisdruck nicht standhalten können, sagt Koch. Dazu kam ein Brand im vergangenen Jahr. Der alte Betrieb ging vom Netz, der neue habe nicht starten können, beschreibt Koch die Krise von vor einem Jahr.

Bei der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten spricht der Geschäftsführer für Berlin-Brandenburg, Uwe Ledwig, von Zahlungsproblemen in dieser Firma im vergangenen Jahr. Zudem würden die Facharbeiter weit unter Tarif entlohnt. Die in der Branche übliche Spanne liege bei einem Stundenlohn von zehn bis 13 Euro. Wenn in der Veltener Manufaktur die Hälfte gezahlt werde, sei das viel, so Ledwig.

"Unsinn", sagt Koch. Kein Facharbeiter verdiene bei ihm unter zehn Euro. Mit Hungerlöhnen könne man gute Leute nicht halten. Koch ist seit Herbst 2009 mit im Boot. Gemeinsam mit dem Firmengründer Matthias Brock hat er die neue Strategie entwickelt: eine kleine Menge von Produkten "mit Premiumanspruch" auf dem Markt zu etablieren. Basis ist das Havelländer Apfelschwein ? in der gesamten Produktionskette vom Ferkel, über die Mast, die Verarbeitung bis zur Vermarktung. Bei der Mast des Havelländer Apfelschweins wird auf tierische und chemische Futterbestandteile sowie Antibiotika verzichtet.

Die Tiere laufen mehr als konventionell gehaltene Schweine und werden zusätzlich mit Apfeltrester gefüttert. Das stärkt die Darmflora und verbessert die Futterverwertung. Das Fett wird gut im Muskelgewebe verteilt. Die Schweine, die in Velten verarbeitet werden, stehen in der Region bei verschiedenen Landwirten, die sich für diese Haltung erwärmen konnten. Die 20 Mitarbeiter in der Veltener Manufaktur verarbeiten pro Woche 80 Schweine.

Bundesweit sollen die Havelländer-Apfelschwein-Produkte aus Velten Ende Juli in den Bio-Fachhandel Bio Company eingeführt werden. Eine neue Produktionsstrecke wird gerade in der Manufaktur aufgebaut. Im kleinen Imbiss gibt es den Eintopf des Tages, Würste aus dem Haus und Beilagen wie Kartoffel-Gemüse-Rösti. In einer kleinen Theke liegen Produkte in größeren Mengen fertig abgepackt für den Werksverkauf. Auch Bestellungen werden angenommen. Imbiss und Werksverkauf haben laut Koch jedoch nicht Priorität. Man biete es aber mit an und habe deshalb den Parkplatz vor der Manufaktur gebaut.