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20.01.2018 - "Verbraucher wollen wissen, woher ihr Essen kommt" (Tagesspiegel)

Bauer Fritz führt am Sonnabend die Demonstration "Wir haben es satt" für eine ökologischere Landwirtschaft an, während in Berlin die Grüne Woche läuft. Ein Interview.

Tausende gehen am Sonnabend in Berlin auf die Straße, um für eine andere Landwirtschaft einzutreten. Unter dem Motto "Wir haben es satt!" gibt es erst eine Traktoren-Demo, dann um 11 Uhr eine Kundgebung am Hauptbahnhof, wo sich eine halbe Stunde später die Demo zur internationalen Agrarministerkonferenz in Gang setzen soll. Mit einem "Kochtopf-Konzert" wollen sich die Teilnehmer vor dem Bundeswirtschaftsministerium Gehör verschaffen. Um 13.30 Uhr ist der Abschluss am Brandenburger Tor geplant. Wir sprachen mit dem Organisator.

Herr Fritz, Sie leiten die Kampagne "Meine Landwirtschaft", führen am Sonnabend die "Wir haben es satt"-Demonstration für eine ökologischere Landwirtschaft an. Sie sind Bauer, fahren Sie mit dem Traktor vor?

Das schaffe ich leider nicht. Aber mein Kompagnon, mit dem ich in einer Betriebsgemeinschaft den Hof in Werder (Havel) betreibe, kommt mit dem Traktor.

Sie fahren aber schon mal Traktor?


Ja klar, sonst könnte ich unsere Wasserbüffel nicht füttern.

Was genau machen Sie?


Wir haben 18 Wasserbüffel für die Naturschutzpflege, verkaufen das Fleisch in der Direktvermarktung, dann noch 400 Hühner in Weidehaltung auf unserer Kirschbaumplantage. Und im vergangenen Jahr haben wir noch 130 Apfelbäume auf unserer Streuobstwiese gepflanzt. Mit den Büffeln haben erst vor drei Jahren angefangen, als wie den Hof gestartet haben. Die wachsen sehr langsam, fressen nur Gras auf der Weide. Erst im Vorjahr hatten wir den ersten Fleischverkauf.

Wie darf man Sie denn nennen, Bauer oder Landwirt?

Ich bin Bauer, ich bewirtschafte nicht nur das Land. Ich mache das auf Generationen hin, wir wollen eine langfristige Perspektive für den Hof.

Aber Kampagnenchef sind Sie auch?


Ich habe drei Standbeine, die Familie mit vier Kindern, den Hof und die Kampagne. 2011 bin ich nach Berlin gekommen und habe die erste Demonstration organisiert. Noch bin ich Bauer im Nebenberuf, das Haupteinkommen kommt noch von "Meine Landwirtschaft", pendle von Werder nach Berlin.

Wo Sie heute die Demonstration anführen, eine der größten jedes Jahr in Berlin.

Mich beeindruckt, dass es so konstant ist. Jedes Jahr sind es mehr als 20.000 Teilnehmer.

Plump gefragt: Ist das nur eine Öko-Demo?

Nein, es sind nicht nur Ökobauern, auch konventionelle Bauern, die neue Strategien wollen. Es geht auch grundsätzlich ums Essen: Wir sollten weniger, aber gutes Fleisch essen. Die Bauern müssen direkteren Kontakt mit den Verbrauchern in den Städten haben, dann sind diese bereit, höhere Preise zu bezahlen. Selbst in normalen Supermärkten zeigt sich, dass die Verbraucher wissen wollen, woher ihr Essen kommt. Essen ist eben politisch. Wir brauchen ein System, das die Betriebe belohnt, die Tiere artgerecht halten, weniger Pestizide einsetzen und den ländlichen Raum beleben – und nicht die Großen oder die Konzerne, die sich einkaufen, Landgrabbing also.

Was machen Sie, wenn der ganze Trubel vorbei ist?

Ich freue mich auf den Hof, darauf, die Hühner, die Tiere zu versorgen und wieder mehr Zeit für meine Familie zu haben.