Online Einkaufsführer Newsletter Veranstaltungskalender


Detailansicht
02.11.2017 - Von der Weide in die Theke (Märkische Oderzeitung)

Landwirtschaft ohne Chemie, ohne Tiertransporte, ohne weite Wege - dass und wie das funktioniert, kann man im uckermärkischen Gut Kerkow mit eigenen Augen sehen. Der Hof wurde vor einigen Jahren konsequent auf ganzheitliche, ökologische Landwirtschaft im geschlossenen Kreislauf umgestellt.

Ein dringender Anruf holt Jonas Schumacher aus dem Stall zurück ins Büro. Das Bundespräsidialamt ist am anderen Ende der Leitung und ordert Currywürste vom Rind für eine Veranstaltung. Der präsidiale Küchenchef gehört zu den Kunden von Gut Kerkow und schwört auf die uckermärkische Rinderwurst in Bio-Qualität. Neben einheimischen Kunden haben vor allem Touristen, Berliner und Gastronomen Gut Kerkow für sich entdeckt.

Die Aberdeen-Angusrinder mit dem schwarzen Zottelfell sind das Markenzeichen von Gut Kerkow, auf das Jonas Schumacher künftig den Fokus konzentrieren will. Schumacher ist Geschäftsführer des Naturland-Betriebes Gut Kerkow, das Star-Köchin Sarah Wiener mit ihrem Partner 2015 von den Erben des verstorbenen Besitzer Johannes Niedeggen gekauft hatte. Nach einer Phase der Bestandsaufnahme und wirtschaftlichen Konsolidierung des Betriebes geht es nun darum, Gut Kerkow zu einem Markenzeichen für Bioqualität und Regionalität weiter zu profilieren.

Schwerpunkt bleibt die Fleischproduktion. Die Milchkühe wurden deshalb jetzt abgeschafft, um sich vollends auf die Angusaufzucht zu konzentrieren. "Was Brodowin mit der Milch ist, wollen wir in Kerkow mit Rindfleisch sein", sagt Jonas Schumacher. Dafür hat Gut Kerkow alle Voraussetzungen, die der Idee einer ganzheitlichen, ökologischen Landwirtschaft in einem geschlossenen Kreislauf entsprechen. Vom Futter, das auf den eigenen Ländereien in Bioqualität selbst angebaut wird, über artgerechte Aufzucht auf der Weide bis zur Schlachtung, Verarbeitung und Vermarktung in der hofeigenen Fleischerei und im Hofladen. Und die Energieversorgung sichert die eigene Biogasanlage.

Auf dem "gläsernen" Bauernhof kann der Verbraucher mit eigenen Augen sehen, woher das Fleisch und die Wurst in der Ladentheke kommen, wie die Tiere aufgezogen werden, die Felder bewirtschaftet und schließlich alles verarbeitet wird. "Es gibt viele Parallelen, wie es Opa früher auf dem traditionellen Bauernhof gemacht hat", erklärt Rasmus Hartwig, Betriebsleiter auf Gut Kerkow, der für die gesamte Landwirtschaft verantwortlich ist. Auf den Äckern werden in traditioneller Fruchtfolge Futtergetreide, verschiedene Marktfrüchte und auch alte Getreidesorten wie Dinkel und Buchweizen angebaut, alles Bio und in Backqualität. "Durch die Fruchtfolge wird die Nährstoffversorgung des Bodens verbessert und Krankheiten, Schädlinge und Unkrautwuchs auf natürliche Weise ohne Einsatz von Chemie verhindert", erklärt Rasmus Hartwig. Als zertifizierter Naturlandbetrieb muss sich Gut Kerkow übrigens regelmäßig überprüfen lassen.

Die Angusrinderherde mit 100 Muttertieren weidet das ganze Jahr draußen auf den Koppeln rund um Kerkow. Die Kälbchen, die hier geboren werden, laufen neun Monate lang mit ihren Müttern mit und haben Zeit und Ruhe zum Wachsen, zum Fressen und zum Herumtollen mit ihren Artgenossen. Kraftfutter wie Soja oder Mais, wie sie in der konventionellen Tierhaltung üblich sind, sind in Kerkow tabu. Die ganzjährige Weidehaltung und die aromatischen Wiesenkräuter sorgen schließlich für das besondere, hochwertige Fleisch der Kerkower Angusrinder. Auch Schweine gehören zum Hof. Die alte Haustierrasse der Sattelschweine hat hier einen Arche-Platz. Ihr Fleisch kommt in die Wurst oder als Speck oder Braten in den Verkauf.

Geschlachtet wird direkt auf dem Hof. Damit sind quälende Tiertransporte überflüssig, die für die Tiere Stress bedeuten und auch die Fleischqualität mindern. Drei Rinder und vier Schweine schlachten Produktionsleiter Steffen Mundis und seine drei Kollegen pro Woche und verarbeiten traditionell alles, vom Filet bis zu Innereien, vom Schinken bis zur Blutwurst. Gut Kerkows Spezialität ist Rindersalami, die frisch aus der Räucherei direkt in die Verkaufstheke kommt.

Der große Hofladen ist das Metier von Deborah Schumacher. Die Frau des Geschäftsführers will den Laden zu einem attraktiven Bauernmarkt mit Vollsortiment ausbauen, in dem man nicht nur besondere regionale Spezialitäten, sondern seinen kompletten Wochenendeinkauf bekommt. Wurst und Fleisch liefert der Hof, auch Esskastanien werden hier geerntet. Milch kommt aus Brodowin, Käse von Uckerkaas aus Bandelow, Spirituosen aus der Grumsiner Brennerei, Obstwein aus Welsow, Gemüse von regionalen Produzenten, zum Beispiel der Gärtnerei Pinnow oder von einem kleinen Kartoffelbauern aus Görlsdorf. Kürbis liefert Manfred Zobel, Honig kommt unter anderem aus Afrika, einem kleinen uckermärkischen Dorf. "Ich probiere noch aus, was geht und möchte auch Kleinstproduzenten die Möglichkeit geben, hier ihre Produkte zu vermarkten. Vielleicht finde ich auch einige uckermärkische Kunsthandwerker", hofft Deborah Schumacher.