Studie belegt steigende Importe auf dem Biomarkt / Wachstumschancen werden verschenkt.
Vor sechs Jahren kamen noch 79 Prozent der in Deutschland verkauften Bio-Erdbeeren aus hiesigen Betrieben. Zwei Jahre später waren es nur noch 56 Prozent. Nicht anders sieht es bei den Tomaten aus. Hier sank der Anteil heimischer Produkte von 37 auf 22 Prozent. Gerade "Produkte des nachfrageintensiven und Image prägenden Segmentes Obst und Gemüse“Vmüssten zunehmend importiert werden, heißt es in einer Studie zum Ökolandbau des Instituts für Organischen Landbau der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Der Erhebung zufolge müssten auch Getreide und Futtermittel häufiger importiert werden.
Die Nachfrage nach Ökoprodukten steigt stetig. Deutschland ist schon jetzt der größte Absatzmarkt. Insofern könnte der Ökolandbau laut Studie „zum Wachstumsmotor für die inländische Erzeugung werden“. Doch die heimischen Produzenten können nicht mithalten. Die Entwicklung geht an ihnen vorbei. Denn der Anteil der Ökoflächen in Deutschland betrug 2009 gerade mal 5,6 Prozent. Dass der Ökolandbau nicht viel kräftiger zulegen konnte, liegt nach Einschätzung der Autoren der Studie an zu geringen Fördersätzen.
Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL), will die Diskussion allerdings nicht nur auf die Flächenprämien beschränken. "Wenn wir mehr deutsche Bio-Ware haben wollen, müssen wir mehr tun, um die Flächen für die Produktion zu vergrößern", sagt Wimmer. Und dazu brauche es auch eine verlässliche Agrarpolitik auf Bundes- und Landesebene, die den Ökolandwirten Planungssicherheit gibt. Debatten über eine eventuelle Kürzung der Öko-Förderung, wie sie Brandenburg im vergangenen Sommer erlebte, seien da eher hinderlich, so der FÖL-Chef.
Nach Angaben des Brandenburger Agrarministeriums gab das Land 2009 für den "Ökologischen Landbau" 17,7 Millionen Euro aus. 2010 waren es 16,5 Millionen Euro. Mehr könne ein "kleines Bundesland" wie Brandenburg nicht machen, so Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade. Ohnehin sieht er bei einem Ökoflächen-Anteil von 10,5 Prozent "kein Rohstoffproblem", sondern "in erster Linie ein Verarbeitungsproblem" in Brandenburg. Da müsse angesetzt werden.
Und noch etwas spricht für die Ausweitung der Bioproduktion: "Zunehmend zweifeln Verbraucher an der Glaubwürdigkeit von Bio aus fernen Ländern" – denn "nach langen Transporten ist Bio oft nicht mehr Öko", erklärt Cornelia Behm, Brandenburger Bundestagsabgeordnete der Grünen.
Verarbeiter legen zu:
999 Ökobetriebe gibt es im Land Brandenburg. Ende 2008 waren es noch 901 Unternehmen, so die Angaben des Agrarministeriums.
Zugelegt hat seit 2008 die Anzahl der Verarbeitungsbetriebe für Ökoprodukte. Sie stieg von 150 auf 180.
Beispiele für Investitionen in neue Verarbeitungskapazitäten sind die drei Bio-Molkereien in Münchehofe (Dahme-Spreewald), Lobetal und Brodowin (beide Barnim).


