Bürgermeister Ralf Irmscher ist stinksauer. Er fühlt sich von der Agrargenossenschaft Münchehofe gelinde gesagt veräppelt. Grund dafür ist ein Schreiben, das er in dieser Woche vom Bioland Landesverband Berlin-Brandenburg erhalten hat.
Zum Hintergrund: In Münchehofe will die Agrargenossenschaft zwei große Legehennenbatterien errichten mit bis zu 30.000 Tieren. Der Betrieb will sich damit an die Ökorichtlinien der Europäischen Gemeinschaft halten. Münchehofe sieht jedoch einen schweren Konflikt zwischen den eigenen Ansprüchen an eine Öko-Gemeinde und dem, was der landwirtschaftliche Betrieb auf ihrem Territorium vorhat. Die Bewohner befürchten erhebliche Einschränkungen für ihre Lebensqualität. Aufgrund der Ammoniakausscheidung der Hühner rechnen sie mit einem unaushaltbarem Gestank über dem Ort.
Der Bioland Landesverband Berlin-Brandenburg hat sich direkt an den Chef der Münchehofer Agrargenossenschaft, Thomas Heidenreich, gewandt. "Die aufgezeigte Stallplanung entspricht nicht den Bioland-Richtlinien", stellt Heike Kruspe von Bioland in Auswertung seiner Stellungnahme fest. Allerdings sei ihr von Geschäftsführer Heidenreich mitgeteilt worden, dass das Antrags- und Planungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei und die geplante Legehennenhaltung nicht in der Agrargenossenschaft Münchehofe erfolgen soll, sondern in einem anderen Unternehmen.
"In einem anderen Unternehmen?", fragt Irmscher. Bislang sei immer nur von der Agrargenossenschaft ausgegangen worden, die zu Bioland gehöre und sich auch an dessen Richtlinien zu halten habe. Nun hört der Bürgermeister erst recht die Alarmglocken schrillen. "Hier wird mit gezinkten Karten gespielt", so Irmscher. Für ihn erklärt sich so auch, warum sich Heidenreich um jeden Preis um einen Dialog mit der Gemeinde und den Bürgern drückt und keine klare Stellung beziehen und schon gar keine neue Verhandlungsrunde mit den Münchehofenern aufnehmen will.
"Wenn dem so ist, haben wir als Bioland-Verband auf diese Legehennenhaltung keinen Zugriff, auch wenn wir die Planungen als sehr kritisch ansehen", so Heike Kruspe. Der Verband sichert aber jegliche Unterstützung zu, sofern sich die Vorhaben auf die Agrargenossenschaft Münchehofe beziehen und Bioland-Richtlinien nicht eingehalten werden sollten.


