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23.08.2011 - Wie geschmiert (Märkische Allgemeine)

Bundespräsidentengattin und Turbine-Spielerin verteilten "Bio-Brotboxen"

Für die Erstklässler der Goetheschule startete der Unterricht gestern turbulent; oder: turbinent. Von den beiden blonden Frauen auf ihrem Schulhof erkannten die Kids zuerst Turbine-Spielerin Tabea Kemme. Über Bettina Wulff, die Frau des Bundespräsidenten, werden die Jungen und – speziell – Mädchen später sagen, dass sie "coole lila Schuhe" trug und mit den Schülern frühstückte. Beide, die Fußballerin und die First Lady, überreichten den Goetheschülern gestern Brotboxen für die Hofpause.

Die Babelsberger gehören zu 21.210 Schulkindern in der Mark, die diese Woche einen der knallgelben Pausenfüller samt Bio-Inhalt geschenkt bekommen: "Müsliriegel, eine Karotte, eine Stulle, Butter", zählt Dominik auf. Mit einem Teebeutel weiß der Junge erst einmal nichts anzufangen, er legt das pinke Päckchen zur Seite und schmiert sein Brot. Ihm gegenüber bedient sich Lieselotte an den Apfelschnitzen: "Die hab’ ich sonst auch in meiner Brotdose", begründet sie ihre Wahl. Das neue Behältnis gefällt ihr gut, aber die bisherige Frühstücksbox will sie deshalb nicht einmotten: "Da ist nämlich eine Fee vorne drauf."

Tabea Kemme verrät, dass sie ihr Pausenbrot zu Schulzeiten selbst geschmiert hat: "Eine Brotdose hatte ich gar keine, die Stulle wurde in Alufolie gewickelt." Die Goethe-Erstklässler können da vorläufig auf den Service ihrer Mütter bauen, auch wenn das Beispiel der Fußballerin suggeriert, dass Selberschmieren groß und stark macht.

Tabea Kemme ist Brandenburgs Botschafterin der Schulaktion für ein gesundes Frühstück. Zehn Jahre besteht die Unternehmerinitiative in diesem Jahr, 44 Firmen aus Berlin und der Mark tragen sie lokal mit, darunter das Ökodorf Brodowin im Barnim und die Gläserne Molkerei Münchehofe (Dahme-Spreewald). Deren Mitarbeiter haben geholfen, die Brotboxen zu füllen. Kirsten Böhmann, die bei der Übergabe dabei ist, würde sich den Service für ihre drei Kids wünschen: "Man kommt morgens in die Küche und die Stulle hat sich von selbst belegt."

Nicht einmal die Frau des Bundespräsidenten hat jedoch derartige Heinzelmännchen im Haus. Bettina Wulff erzählt, sie stehe jeden Morgen in der Küche und fülle die Brotdosen für ihre Kinder. "Wenn ich genug Zeit habe, dann mache ich das genauso liebevoll, wie es meine Mutter früher getan hat." Liebevoll? Die First Lady nickt. Über ihr Gesicht huscht dabei ein Lächeln, das ausdrückt, wie sie sich als Schülerin, die ihre Frühstücksbox öffnet, fühlte: "Ich hatte immer sehr lange Schultage. Meine Mutter hat die mir versüßt, indem sie meine Frühstücksbrote individuell belegte, zum Beispiel mit Wurst, die sie in Herzform ausschnitt. Und Gürkchen. Und etwas Süßes lag auch immer in der Box."