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19.07.2009 - Wilkendorfer blaue Wunder (Märkische Oderzeitung)

Die Blaubeer-Saison in Wilkendorf hat begonnen. Wer nicht mühevoll im Wald ertragreiche Plätze suchen und langsam das Körbchen füllen will, ist auf dem Beerenobsthof Gudrun Walter willkommen. Auch ohne Bücken wird der Pflücker dort fündig.

"So zeitig im Jahr haben wir noch nie mit der Ernte beginnen können", schätzt Gudrun Walter ein. Die viele Feuchtigkeit der zurückliegenden Wochen hat das Wachstum der Heidelbeeren in der Plantage hinter dem Hof befördert. Die Äste der Büsche zeigen üppigen Beerenbesatz und neigen sich unter dem Gewicht der dicken Beeren zum Boden. Jetzt können die Selbstpflücker kommen.

Im Jahr 2000 hat Gudrun Walter mit dem Anbau der Kulturheidelbeere in Wilkendorf begonnen, die mindestens sieben Jahre bis zu ihrer vollen Entwicklung benötigt. 2004 kam eine weitere Junganlage hinzu. Inzwischen reifen auf einem dreiviertel Hektar die vitaminreichen, kalorienarmen, schmackhaften Früchtchen in sieben verschiedenen Sorten. Damit ist vorgesorgt, dass von den frühen Sorten von Anfang Juli bis zu den Späten Ende August der blaue Nachschub rollen kann.

Regen und Wärme sind aber nicht die einzigen Helfer in den Beerenplantagen. Die studierte Landwirtin setzt auf so viel wie möglich Natur. Dazu gehören die Bienen eines Beiersdorfer Imkers. Der kommt in Abständen, damit die nächsten Blüten bestäubt werden können. "Die Wirkung ist am stärkeren Fruchtansatz zu sehen", ist Gudrun Walter zufrieden. "Wir haben auch viel weniger kleine und ledrige Beeren." Gegen die ausufernde Schneckenplage hilft hingegen ein anderes Lebewesen. Zwischen den Reihen haben die indischen Laufenten Fettlebe. Nur gegen die gefiederte Diebe braucht es mehr Mensch, nämlich Netze über der Plantage.

Und noch etwas macht sich Gudrun Walter zunehmend zunutze. Mit dem Beginn der Vegetationsperiode hat die gebürtige Niedersächsin angefangen, den bereits ökologisch arbeitenden Betrieb auf spezifisch biologisch-dynamische Produktion einzustellen. "Nachdem Bio vom Außenseiter inzwischen fast in die Mitte katapultiert wurde und chic geworden ist, braucht es den Feinschliff", meint die energische Frau. "Wir haben den Antrag zur Aufnahme in den Demeter-Verband gestellt."

Das bedeutet Beschränkung auf das Heidelbeer- und Hochzeits-Taubengeschäft, aber auch Abschied vom Geflügel. Dem ist auch der bekannte Hofladen geopfert worden - "eigentlich sind wir keine Ladner" - und es soll künftig die Anschaffung von Dexter-Rindern nach sich ziehen. Denn die Philosophie der biologisch-dynamischen Landwirtschaft betont u. a. einen geschlossenen natürlichen Produktionskreislauf, "und für die Enten und Gänse müssten wir Weizen zukaufen".

Doch jetzt geht es erst einmal in die Heidelbeeren. Täglich von 9 bis 18 Uhr ist Pflücken möglich. "Wenn Großeltern mit Ferienkindern kommen, erleben die Biologieunterricht in Praxis", sagt Gudrun Walter, "und ab drei Kilo gibt's sogar Rabatt."