Schaumolkerei in Münchehofe veranschaulicht Laien die Milch- und Käseherstellung
Auf den ersten Blick wirkt das Gebäude der Gläsernen Molkerei wie ein Fremdkörper im märkischen Sand. In der Nachbarschaft sind Kuhställe und Gutshöfe zu sehen. Zwei Traktoren ziehen ihre Kreise. Bei genauerem Hinsehen hat der Hausquader aus bayerischem Lärchenholz und viel Glas jedoch eine ganze Menge mit Brandenburg zu tun. Hier in Münchehofe (Dahme-Spreewald) lassen Landwirte aus der Region seit 2009 ihre Bio-Milch verarbeiten. Mittlerweile liefern auch Milchbauern aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein. "Insgesamt arbeiten wir schon mit 100 Landwirten zusammen", sagt Betriebsleiter Carsten Müller-Stein. Das Unternehmen will die Herstellungskapazität von derzeit sechs Millionen Litern Bio-Rohmilch pro Jahr künftig auf 35 Millionen Liter jährlich steigern.
Bundesweit einmalig ist, dass Besucher seit Jahresanfang den Molkereifachleuten bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen können. "Von der Anlieferung bis zum fertigen Produkt ist bei uns alles zu sehen", so Molkerei-Geschäftsführer Hubert Böhmann. Er verspricht sich vom neuen Konzept eine "Stärkung der Glaubwürdigkeit" regionaler Milchprodukte. Noch liegen vor dem Haupteingang Bauschutt und Schneereste. Angemeldete Besucher werden derzeit über eine kleine Seitentür eingelassen. Gestartet wird der Rundgang aber im Foyer. Ein Panoramafenster gibt den Blick frei auf die Weiten der Mark. "Molkerei klingt nach vielen Kühen. Doch hier ist kein einziges Rindvieh zu sehen", so Besucher Achim Freitag.
Carsten Müller-Stein erklärt, dass später einmal Kräutergarten, Weiden und auch Tiere alter Rinderrassen zu sehen sein werden. Hinter einer Tür riecht es nach würzigem Käse. Raumhohe Glaswände zu beiden Seiten der Galerie erlauben den Blick auf Milchaufbereitungsanlagen sowie Käsepresse und Salzbäder. Ein Käsefertiger kommt ins Blickfeld. "Hier können rund 6.000 Liter Rohmilchkäse auf einmal angesetzt werden", erläutert Müller-Stein. Der aus dem sächsischen Riesa stammende Molkereimeister deutet auf den kleinen Fertiger daneben: "Hier wird Speisequark hergestellt." Rechts von der Galerie ist die große Abpackmaschine für Bio-Milch zu sehen. Derzeit füllen Mitarbeiter täglich 20.000 Liter Milch ab. In Zukunft sollen es 100.000 Liter sein.
Der linke Teil der Galerie, der die Käseverarbeitung zeigt, scheint für den Laien der spannendere Teil der Schaumolkerei zu sein. Hier sind die sechs Salzbecken zu sehen, in denen unter anderem der original Münchehofer Landkäse in 18.000 Litern Salzlake "badet". Nicht weniger beeindruckend sind die drei Reifekammern, in denen bis zu 35.000 Käseleibe Platz finden. Besonderer Hingucker ist dabei der Schweizer Roboter "Toni", der die einzelnen Laibe wendet und nochmals mit Salzlake abbürstet. 600 Käsestücke schafft "Toni" pro Stunde. Nur hin und wieder schaut einer der 30 Mitarbeiter nach dem Rechten.
Am Ende der rund einstündigen Führung bittet der Betriebsleiter dann zur Verkostung. Die Gäste lassen sich nicht lange auffordern, nehmen Häppchen vom Heumilchkäse oder Landkäse mit Bockshornklee-Samen. Vom Frühjahr an sollen die Rundgänge nicht mehr vom Betriebschef persönlich, sondern von Betriebswirtschafts-Studenten der Universität Bonn geführt werden. "Die Studenten absolvieren hier ein Praxissemester und bleiben nach dem Studium zwei Jahre bei uns", so Müller-Stein. Doch nicht nur studentische Kräfte sind gefragt. In den nächsten Monaten sollen bis zu 15 Fachkräfte neu eingestellt werden.
"Blindbewerbungen kommen im Grunde jede Woche rein. Aber mit der Qualifikation der Bewerber hapert es oft", sagt Müller-Stein. Auf eine Zeitungsannonce für zwei Lehrstellen habe sich bislang niemand gemeldet. "Aus diesem Grund veranstalten wir am 11. März ab 17 Uhr einen Informationsabend für Interessierte." Dann beantwortet der 40-jährige Betriebsleiter Fragen zum Vertrieb. "Sie finden unsere Produkte etwa in Märkten der Rewe-Kette oder der Bio-Company." Die Besucher müssen jedoch nicht weit fahren, auch im Hofladen gibt es die Warenpalette.
Info: www.glaeserne-molkerei.de, Kontakt für Besucheranfragen: 033760/207750


