Landesregierung wirbt für Schulspeisung
Chips und Cola, gekauft vom Taschengeld. So sieht für manche Kinder die Mittagsverpflegung aus. Grit Meinhold hat solche Fälle erlebt. Aber zum Glück, sagt die Leiterin der Grundschule "Hanna von Pestalozza" in Groß Glienicke , sind sie an ihrer Schule inzwischen die Ausnahme. Gesundheitserziehung gehört zum Konzept der Ganztagsschule. Das zeigt sich auch im Speisesaal: Die Tische sind gut belegt. Lachs, Nudeln und Bio-Brokkoli landen auf den Tellern der Schüler. "Schmeckt gut", sagt ein Viertklässler und wickelt gekonnt die Bandnudeln auf die Gabel. Er kommt jeden Tag in die Schulmensa, wie die meisten seiner Mitschüler.
Fast 100 Prozent der Pestalozza-Schüler nehmen am Schulessen teil. Normal ist das nicht. An 98 Prozent der Brandenburger Schulen wird ein warmes Mittagessen serviert, doch bei weitem nicht alle Schüler nutzen das Angebot. Während immerhin jedes zweite Grundschulkind zum Schulessen geht, sind es in den weiterführenden Schulen weniger als 30 Prozent.
"Wir wollen mehr Lust auf Schulmensa machen", sagt Maren Daenzer-Wiedmer, Projektleiterin der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Brandenburg. Dafür hatte das Land gestern erstmalig zum Tag der Schulverpflegung aufgerufen. 125 Schulen und 15 Essenanbieter beteiligten sich an dem Aktionstag, der sich in die bundesweiten "Tage der Schulverpflegung" unter Ägide von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) einreiht. Die Hintergründe sind bekannt: Viele Schüler sind zu dick. Fast zehn Prozent der märkischen Zehntklässler leiden an Fettleibigkeit. Wer schlecht isst, ist oft auch schlecht in der Schule, weil die Konzentrationsfähigkeit nachlässt. Für die teils geringe Nachfrage nach Schulessen sieht Maren Daenzer-Wiedmer zwei Hauptgründe: Schlechte Qualität und schlechte Rahmenbedinungen. Wenn das Essen nicht schmeckt, die Zeit knapp, die Warteschlangen lang, die Wände kahl, die Geräuschkulisse laut und die Organisation kompliziert sind, vergeht vielen der Appetit.
Den Ministerinnen mundet die Mensa-Mahlzeit. Bildungsministerin Martina Münch (SPD) und Verbraucherschutzministerin Anita Tack (Linke) probieren, was bei den Pestalozza-Schülern auf den Tisch kommt. Küchenchef Geralt Nijboer verzichtet auf Fertigsoßen und fragt die Kinder, was sie gerne essen. Täglich haben die rund 350 Schüler die Wahl zwischen zwei gesunden Gerichten. Das kommt an.
Nur mit Qualität ließen sich Kinder und Eltern vom Schulessen überzeugen, glaubt Bildungsministerin Martina Münch. Warum Mensa für manche nicht attraktiv ist, lasse sich aber nicht pauschal beantworten. Gerade bei Älteren sei Schulessen einfach nicht "in". "Das Geld ist es jedenfalls nicht", ist Kabinettskollegin Anita Tack überzeugt. 2,30 Euro kostet ein Essen in der Pestalozza-Schule. Der märkische Schnitt liegt bei 1,96 Euro. Kinder aus einkommensschwachen Familien zahlen in Groß Glienicke dank einer besonderen Regelung der Stadt Potsdam einen Euro oder gar nichts.
Etwa zehn Prozent ihrer Schüler essen subventioniert, sagt Rektorin Grit Meinhold. Aber auch sie glaubt, dass nicht die Preise, sondern Geschmack, Atmosphäre und die Thematisierung gesunder Ernährung im Unterricht entscheidend für die Annahme des Schulessens sind. "Lehrer haben dabei auch eine Vorbildfunktion", mahnt Ministerin Münch. Grit Meinhold spießt ein Stück Lachs auf ihre Gabel. Nicht nur am Aktionstag. Sie isst oft in der Mensa. Wie die meisten ihrer Kollegen.


