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01.11.2010 - Zwischen Käseschnittchen und Bio-Milch (Märkische Oderzeitung)

Diesmal ging der Blick von innen nach außen. Künftig werden die Gäste indes nur noch von außen nach innen schauen können. Im März soll die neue, gläserne Meierei ihre Produktion aufnehmen. Am Sonntag feierte der Landwirtschaftsbetrieb Ökodorf Brodowin Richtfest.

Dort, wo in einem halben Jahr die Milch abgefüllt wird oder der Käse reift, herrschte am Wochenende Feststimmung. Vor hunderten Gästen, darunter Honoratioren, Geschäftspartner, Handwerker und Kunden, feierte das Team um Geschäftsführer Ludolf von Maltzan die Fertigstellung des Rohbaus der neuen Molkerei.

Was Landrat Bodo Ihrke zu der saloppen Bemerkung veranlasste: "Das sieht hier eher nach einer Kongresshalle denn nach einer Meierei aus." Ansonsten lobte der Landrat in seinem Grußwort vor allem das Engagement des Landwirtschaftsbetriebs in Sachen erneuerbare Energien. Er erinnerte an die jüngst in Betrieb gegangene Photovoltaikanlage, die den gesamten Energiebedarf des Öko-Unternehmens deckt. Mit seinem Konzept, so Ihrke, passe Brodowin genau zur Null-Emissions-Strategie des Landkreises.

Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger hob auf einen anderen Aspekt ab. Der ökologisch orientierte Betrieb habe in den vergangenen Jahren insgesamt 70 Arbeitsplätze geschaffen. "Das ist keine Selbstverständlichkeit." Dank dieser Entwicklung gebe es in Brodowin fast keine Arbeitslosigkeit, stellte Vogelsänger heraus und führte zur Einordnung folgende Zahlen an. In der Landwirtschaft im Land Brandenburg seien heute zirka 38 000 Menschen tätig. In der Chemischen Industrie gebe es 5000 Arbeitsplätze.

Ludolf von Maltzan, Inhaber und Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebs, ging vor allem auf die Besonderheiten des Unternehmens und die Ursprünge ein. Er sprach über den "Brodowiner Weg" und die Visionen der Brodowiner. Der Öko-Betrieb, der nach den demeter-Richtlinien arbeitet, sei "so ganz untypisch für unsere Zeit", erklärte der Landwirt, der vor gut vier Jahren das Unternehmen übernommen hat und nach Brodowin gezogen ist. Hier gebe es keine hohe Spezialisierung, sondern eine recht breite Palette – von Ackerbau über Gemüseanbau sowie Milchvieh- und Ziegenhaltung bis hin zum eigenen Lieferservice.

Die ersten Milchflaschen seien im heutigen Hofladen abgefüllt worden. Schrittweise habe sich die Produktion der eigenen Meierei erhöht. Inzwischen sei man an die Grenzen gestoßen. Statt der ursprünglich geplanten 500 000 Liter Milch pro Jahr werden heute 2,8 Millionen Liter verarbeitet. Dank des Neubaus könne man die Leistung auf bis zu fünf Millionen Liter steigern. "Wir werden also unsere Produktion fast verdoppeln", so von Maltzan. "Für uns ist dies ein großer Schritt." Dennoch bleibe Brodowin mit dieser Kapazität eine "kleine Landmolkerei". Eine Meierei, die „stolz ist auf ihre handwerkliche Tradition und Leistung", wie der Firmenchef betonte. Und die "überprüfbar sein will". Deshalb die gläserne Fassade. "Bei uns wird die Milch nicht in ihre Bestandteile zerlegt … Bei uns wird sie einfach nur erhitzt und abgefüllt", warb von Maltzan für die Öko-Variante.

Bevor sich die Gäste schließlich am Öko-Büfett mit Käseschnittchen, Kürbissuppe, Schafsgulasch oder Kräuterquark und demeter-Milch laben konnten, gab es einen kleinen Exkurs mit Meierei-Chef Axel Helmecke und Azubi Stefanie Müller. Die Zwei präsentierten die Palette der Brodowiner Molkerei-Erzeugnisse. Ab Juni 2011 komme wieder der Brodowiner Bauernkäse hinzu, verriet Helmecke. "Und zwar in vier Geschmacksrichtungen." Neu ins Programm wolle man Weichkäse aufnehmen. Für die Erweiterung sucht das Unternehmen noch einen ausgebildeten Käser.

Die neue Meierei entsteht unter dem Dach der alten Bergehalle. Nachdem jüngst die gläserne Fassade montiert wurde und der Bau damit winterfest ist, erfolgt im November und Dezember der Innenausbau. Ab Januar soll die Technik installiert werden. Ende Februar wolle man umziehen, um Anfang März die Produktion in der neuen Stätte aufzunehmen, umriss Ludolf von Maltzan die Terminkette. Die alte Molkerei werde dann zum Sitz der Verwaltung umgebaut.

Gut zwei Millionen Euro investiert das Unternehmen in die neue Produktionsstätte, die Architekt Alexander Scholz als einen "Tempel der Arbeit" bezeichnete. Das Brodowiner Projekt sei ein hervorragendes Beispiel für "Bauen im Bestand". "Dieser Bau", freute sich Scholz, "will die DDR nicht wegwerfen oder auslöschen", spielte er auf die frühere Nutzung an.