Online Einkaufsführer Newsletter Veranstaltungskalender


Detailansicht
26.06.2017 - Gemeinsam aus der Massentierhaltung aussteigen (Bündnis 90/Die Grünen)

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende, und Christian Meyer, Landwirtschaftsminister in Niedersachsen und Sprecher der grünen Agrarminister, legen einen 6-Punkte-Plan für eine zukunftsfähige Landwirtschaft vor.

"Nicht zukunftsfähig" sei die derzeitige landwirtschaftliche Tierhaltung in Deutschland. So lautet das Urteil des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik des Bundesagrarministeriums. Dass es so nicht weitergehen kann in der Tierhaltung in Deutschland, ist aber nicht nur den dort tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern klar.

Bürgerinnen und Bürger lehnen die grausamen Bilder und Zustände in der Massentierhaltung ab, mit denen sie medial konfrontiert werden. Sie akzeptieren nicht, dass im Jahr 2017 Tiere so leiden müssen: Unter Hochleistungszucht und Enge, mit amputierten Körperteilen und viel zu häufig auch offensichtlichen Wunden.

Gleichzeitig können immer mehr Bäuerinnen und Bauern von den Preisen, die sie für ihre Erzeugnisse bekommen, nicht mehr leben. Sie bezahlen den Wachstums- und den Kostendruck, um im Weltmarkt mithalten zu können, mit ihrer Existenz.

Die große Koalition ist mit ihrer auf Massentierhaltung und Export ausgerichteten Billigstrategie verantwortlich dafür, dass immer mehr Bäuerinnen und Bauern aufgeben müssen und Tiere leiden. Allein 2016 gaben über 4.000 Milchviehbetriebe auf, weil die Bundesregierung gemeinsame Vorschläge von Milchbauern und Ländern für wirksame Kriseninstrumente auf EU-Ebene verweigert und blockierte. Statt fairer Preise, von denen Bauern leben können, gehen die Verluste der Massenproduktion in die Milliarden. Und die EU-Agrarsubventionen verstärken diesen Trend gegen die bäuerliche Landwirtschaft noch. Von der Bundesregierung gestützt, bekommen die 20 Prozent flächenmäßig größten Agrarbetriebe 80 Prozent aller Agrarzahlungen. Das ist mehr als ungerecht.

Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher werden von der Agrarpolitik dieser Bundesregierung betrogen. Sie können nach wie vor nicht erkennen, aus welcher Art Haltung das Fleisch kommt, das sie kaufen. Zuletzt hat Renate Künast als Verbraucherministerin für mehr Transparenz gesorgt durch das Biosiegel und die Eierkennzeichnung nach Haltungsform. Beides Erfolgsgeschichten, aber schon 15 Jahre her.

Die Bürgerinnen und Bürger zahlen die verfehlte Agrarpolitik der Bundesregierung gleich mehrfach. Sie zahlen als Steuerzahlerinnen und Steuerzahler für Agrarsubventionen an Großbetriebe und Fleischkonzerne. Als Beitragszahlerinnen und Beitragszahler für die erheblichen Gesundheitskosten durch resistente Keime aus der Massentierhaltung. Und als Gebührenzahler für erhöhte Wasserpreise, weil es immer aufwändiger wird, das Grundwasser von der Verschmutzung mit Gülle und Kot zu reinigen. Wasserverbände und das UBA warnen vor einem Anstieg der Trinkwasserpreise um bis zu 45 Prozent, wenn wir nicht endlich auch auf Bundesebene eine Agrarwende einleiten.

Die Agrarpolitik der letzten Dekade, die vor allem von CDU und CSU bestimmt wurde, hat uns gerade in der Tierhaltung in eine Sackgasse geführt. Noch schlimmer ist aber, dass die Verantwortlichen unwillig oder unfähig sind, diesen Kurs (in den Abgrund) zu korrigieren.

Nicht zuletzt die Bäuerinnen und Bauern hätten verdient, dass die politischen Verantwortlichen mit ihnen gemeinsam Perspektiven für die Zukunft entwickeln und umsetzen. Ein Weiter so, wie es die Bundesregierung propagiert, ist auch für die Bäuerinnen und Bauern verantwortungslos. Denn klar ist: Die Frage ist nicht, ob der Umbau der Tierhaltung kommt. Sondern wie er so umgesetzt wird, dass alle diesen Weg mitgehen können.

Wir wollen anlässlich des Deutschen Bauerntags unser Angebot erneuern und gemeinsam mit Bäuerinnen und Bauern sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern den Ausstieg aus der industriellen Billig- und Massentierhaltung einzuleiten. Wir wissen, dass dies nicht von heute auf morgen geht, doch wir müssen jetzt anfangen, wenn wir die bäuerliche Landwirtschaft retten und millionenfaches Tierleid verhindern wollen.

Für uns ist deutlich: Eine zukunftsfähige Tierhaltung behandelt Tiere mit Würde – nicht nur als Ware. Sie setzt auf Qualität, Transparenz und regionale Herkunft – statt auf anonyme Massenware für den Weltmarkt. Sie richtet sich nach den Wünschen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Und: Sie schont unsere Ressourcen, gerade unsere kostbarste – das Wasser.

Um eine solche Tierhaltung zu erreichen, müssen wir unsere Agrarpolitik neu ausrichten:

Unser Angebot:

  • Wir sorgen dafür, dass die Bürgerinnen wissen, was sie kaufen
    Wir wollen bei Fleisch und Milch eine verbindliche Tierhaltungskennzeichnung einführen, die einleuchtet – so wie es sie für Eier schon gibt. Seit wir die Eierkennzeichnung haben, haben Handel und Verbraucherinnen und Verbraucher Käfigeiern die Rote Karte gezeigt. Heute greifen sie verstärkt zu Bio- und Freilandeiern - zum Wohl auch der Landwirte. Wir setzen uns dafür ein, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher auch bei versteckte