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01.12.2017 - Tierschutzplan könnte Agrarwirtschaft umkrempeln (Märkische Allgemeine)

Fast ein Jahr rangen Tierschützer und Landwirte heftig hinter den Kulissen. Nun liegt der erste Landestierschutzplan im Entwurf vor. Das Dokument enthält fast 130 Forderungen. Wird der Tierschutzplan umgesetzt, könnte das die Agrarwirtschaft in Brandenburg umkrempeln.

Groß Kreutz. Nach fast einjährigen Verhandlungen zwischen Wissenschaftlern, Tierschützern und Landwirten liegt der Entwurf des ersten Landestierschutzplans für Brandenburg vor. Das knapp 30seitige Dokument enthält fast 130 Empfehlungen zur tierverträglichen Haltung von Schweinen, Rindern, Pferden, Hühnern und Puten. Noch ist das Dokument, das in zwei Wochen offiziell vorgestellt werden soll, Verschlusssache.

Zwei zentrale Vorhaben wurden am Donnerstag jedoch bereits öffentlich. So soll das Kupieren von Schwänzen in der Schweinehaltung ab 2018 schrittweise beendet werden. In ganz Brandenburg sollen darüber hinaus sogenannte Demonstrationshöfe entstehen: Landwirtschaftsbetriebe, die beim Tierschutz beispielhaft vorangehen und zeigen sollen, dass Tierwohl und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sein müssen.

Bauernpräsident: Musterhöfe müssen sich rentieren

Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbands, betonte jedoch, dass diese Musterhöfe, die sich auch dem Publikum öffnen sollen, unter einem ökonomischen Vorbehalt stünden: „Sie müssen sich an der Realität messen lassen und umsetzbar sein“, sagte er.

Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) zeigte sich zufrieden. „Ich bin stolz auf das Geleistete. Es war vor einem Jahr noch nicht sicher, dass wir zu diesem Bericht kommen werden“, sagte er am Donnerstag bei einer Abschlusstagung in Groß Kreutz (Potsdam-Mittelmark). Brandenburg werde mit dem Tierschutzplan in Sachen Tierwohl einen bundesweiten Spitzenplatz einnehmen.

Heftiger Streit hinter den Kulissen

Hinter den Kulissen war in den vergangenen Monaten in verschiedenen Arbeitsgruppen heftig gestritten worden. Die Landwirte hätten zunächst auf „Abwehr“ geschaltet, sagte Michael Wimmer, Sprecher des Aktionsbündnisses Agrarwende, das vor knapp zwei Jahren mit dem Volksbegehren gegen Massentierhaltung erfolgreich war. 104 000 Unterschriften hatten die Aktivisten gesammelt; der Tierschutzplan war eine zentrale Forderung des Volksbegehrens. „Wir haben uns nicht in die Schmollecke zurückgezogen“, sagte dagegen Bauernpräsident Wendorff. „Es war wichtig, Kompromisse zu finden. Dem haben wir uns gestellt.“

Stacheldrahtverbot und luftigere Ställe

Zu diesen Kompromissen gehört nach MAZ-Informationen auch ein verbindlicher Erlass gegen das Kürzen von Schnäbeln bei Jung- und Legehennen. In der Praxis wird dies seit gut einem Jahr in Brandenburg ohnehin nicht mehr angewendet. Diskutiert wurde in den Arbeitsgruppen auch ein besseres Platzangebot in Ställen, stressfreiere Schlachtbedingungen und Förderungsmöglichkeiten für besonders tiergerechte Vorhaben. Der Tierschutzplan enthält viele Detailregelungen, etwa zur Stallbeleuchtung, zu Beschäftigungsmöglichkeiten für Tiere bis hin zu einem Verbot von Stacheldraht auf Pferdekoppeln.

Der Entwurf des Tierschutzplans, der im kommenden Jahr im Landtag beraten werden soll, hat bisher nur Empfehlungscharakter, wie Agrarminister Vogelsänger betonte. Die Grünen warnten deswegen vor einer Verwässerung und forderten ein verbindliches Maßnahmenpaket. Vogelsänger versprach: "Es wird nichts in der Schublade verschwinden."