BUND begrüßt EU-Strategien für mehr Naturschutz und eine umweltfreundliche Landwirtschaft

BUND begrüßt EU-Strategien für mehr Naturschutz und eine umweltfreundliche Landwirtschaft

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt die heute vorgestellte Biodiversitäts- und „Farm-to-Fork“-Strategie der EU-Kommission und fordert deren konsequente Umsetzung.

Beide Vorhaben sollen einen relevanten Beitrag zur Erreichung der Ziele des Green Deal, dem Erreichen der Klimaneutralität bis 2050 und dem Stopp des Artensterbens leisten. Antje von Broock, Geschäftsführerin Politik und Kommunikation beim BUND: „Die EU macht hier mit guten Konzepten und Strategien auf sich aufmerksam. Jetzt braucht es konkrete Schritte, die zu mehr Natur- und Umweltschutz führen.“

Es ist unverzichtbar, dass die europäischen Strategien nun mit Leben gefüllt und mit Finanzmitteln im Rahmen der laufenden EU-Haushaltsverhandlungen unterlegt werden. Mit den Zielen zur Einsparung von Pestiziden, zur Verbesserung von naturnahen Flächen und Schutzgebieten, der Rettung bedrohter Arten sowie zum Wachstum des Ökolandbaus verpflichtet sich die EU-Kommission trotz der vielen rückwärtsgewandten Lobbybemühungen zu einem ambitionierten Vorhaben für die nächsten zehn Jahre.

Gleichzeitig müssen Praktiken, die soziale und ökologische Probleme hervorbringen, dringend überprüft werden. Dazu gehören die Verteilung der fast 60 Milliarden Euro Agrarsubventionen pro Jahr sowie umwelt- und klimaschädliche Subventionen in der EU-Regionalpolitik. Auch das Fehlen konkreter Vorschläge zum Umbau der Nutztierhaltung und zur Reduzierung der damit verbundenen Treibhausgasemissionen in der EU kritisiert der Umweltverband und fordert Nachbesserungen. „Die Treiber des Verlustes an Arten, Lebensräumen und genetischer Vielfalt wurden in der heute vorgelegten Strategie nur unzureichend adressiert. In vielen Bereichen fehlen konkrete Ziele und Maßnahmen jenseits des klassischen Naturschutzes“, so von Broock.

Auch die Ziele der „Farm-to-Fork“-Strategie führen laut von Broock zu einem grundsätzlichen Änderungsbedarf: „Die jetzige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) passt nicht zu den Zielen der ‚Farm-to-Fork‘-Strategie. Der Verordnungsentwurf zur Reform der EU-Agrarpolitik aus dem Jahr 2018 wird den Herausforderungen zum Schutz des Klimas und der Biodiversität sowie den Anforderungen beim Erhalt der Bauernhöfe nicht gerecht. Er ist weder mit dem European Green Deal noch mit der ‚Farm-to-Fork‘- oder der Biodiversitätsstrategie in Einklang zu bringen. Dieser Verordnungsentwurf muss daher konsequenterweise zurückgezogen werden.“

Die neue EU-Biodiversitätsstrategie ist ein wichtiger Meilenstein: Sie umfasst konkrete Ziele für mehr Wildnis in Europa, die Stärkung des europäischen Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000 und des naturnahen Biotopverbunds durch eine europaweite Rettungsinitiative und den Plan, 20 Milliarden Euro des EU-Budgets dem Erhalt der Arten und Lebensräume sowie dem Klimaschutz zu widmen. „In vielen Punkten bleibt die Strategie jedoch noch unkonkret und muss in den kommenden Jahren vor allem durch die Mitgliedstaaten mit Leben gefüllt werden. Und es sind die Bereiche der EU-Kommission gefragt, die für die wesentlichen Treiber des Artensterbens Verantwortung tragen. Neben der Landwirtschaft sind dies vor allem Verkehr sowie Energie- und Ressourcenverbrauch der Wirtschaft”, so von Broock.

Ein blinder Fleck der EU-Kommission scheint trotz des erklärten Willens zur Transformation in der Landwirtschaft aber die Gentechnik zu bleiben. „Auch neue Gentechnik muss weiter gekennzeichnet, risikogeprüft und rückverfolgt werden. Wahlfreiheit für Bäuerinnen und Bauern, für Lebensmittelunternehmen, den Handel und Verbraucherinnen und Verbraucher muss gesichert bleiben. Es darf deshalb bei neuer Gentechnik auch in Zukunft keine Aufweichung des geltenden Rechtsrahmens geben. Innovationen für die Pestizidreduktion und für mehr Nachhaltigkeit in Landwirtschaft und Ernährung sind unverzichtbar. Die Förderung und Deregulierung von Gentechnik geht aber in die falsche Richtung und stützt stattdessen ein ‚Weiter so‘ der Industrie“, kritisiert von Broock.

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Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V.
Sigrid Wolff, Daniel Jahn, Judith Freund, Heye Jensen – Pressestelle
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