Pflanzen und Ernten braucht jetzt viele Hände – Arbeit ermöglichen

Pflanzen und Ernten braucht jetzt viele Hände – Arbeit ermöglichen

Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bio-Dachverbands Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), kommentiert die brisante Arbeitskräftesituation in der Ernährungswirtschaft:

„Die Situation auf den Höfen spitzt sich durch Corona dramatisch zu. Bundesweit fehlen hunderttausende Menschen beim Pflanzen, bei der Pflege und der Ernte. Denn die Natur macht keine Pause. Für genug Essen auf den Tellern müssen Gemüse oder Kartoffeln jetzt gepflanzt werden, wenn wir im Sommer ernten wollen.

Die jetzt von der Bundesregierung geplanten Schritte zur Erleichterung der Arbeitskräftesituation in der Landwirtschaft reichen leider nicht aus, um die Versorgung sicher zu stellen. Aber unsere Bauern wollen ihre Felder bestellen und die Ernten einbringen.

Viele Hände, etwa Kurzarbeitende aus anderen Branchen, Studierende, Arbeitssuchende oder Geflüchtete, wollen anpacken. Damit das funktioniert, müssen Regeln unter der Beachtung der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen befristet geändert werden, um die Lebensmittelversorgung zu sichern und Betriebe in der Produktion zu halten.“

Hintergrund
Damit ausreichend Menschen in der Landwirtschaft arbeiten können, müssen bestehende Regeln temporär schnell und unbürokratisch angepasst werden:

Zuverdienstgrenzen
Die Gesetzesvorlage des Kabinetts sieht vor, dass Kurzarbeiter als land- und forstwirtschaftliche Aushilfskraft so viel abzugsfrei hinzuverdienen können, wie der Differenz zwischen dem Kurzarbeitergeld und ihrem bisherigen Nettolohn entspricht. Das bedeutet für einen Betrieb, der einen Vollzeit-Saisonarbeiter ersetzen muss, drei bis vier einheimische Mitarbeiter einzustellen, da sich die Mitarbeit für den einzelnen nur für wenige Stunden die Woche lohnt.

Die Betriebe können mitten in der Anbausaison einen vervierfachten Verwaltungsaufwand nicht stemmen, sie müssen auf den Feldern arbeiten! Zusätzlich würden mehr, verschiedene Arbeitskräfte ein höheres Infektionsrisiko bedeuten. Und außerdem kann auch die staatliche Arbeitsverwaltung diesen zu hohen zusätzlichen Aufwand nicht bewältigen.

Natürlich kann es dazu führen, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter durch ein Aussetzen der Zuverdienstgrenzen für ein paar Wochen sogar bessergestellt werden als bisher. Aber die Betriebe haben nur so die Chance, Pflanzsaison, Bestandspflege und Ernte auch mit einheimischen Arbeitskräften zu bewältigen.

Berufsmäßigkeit
Um eine Aushilfskraft bei pauschaler Abführung von Steuer und Sozialversicherung kurzfristig (bis 115 Tage) beschäftigen zu können, darf die entsprechende Tätigkeit für diese nicht „berufsmäßig“ sein. Für die meisten Personen, um die jetzt geht (v.a. Studierende und Kurzarbeitende), trifft das auch nicht zu.

Allerdings werden Arbeitssuchende in jedem Fall als „berufsmäßig“ eingestuft. Es ist unsinnig, dass ausgerechnet diese Personengruppe deshalb temporär nicht als landwirtschaftliche Arbeitskräfte zum Einsatz kommen wird. Denn in den nächsten Monaten wäre damit zu rechnen, dass viele Betriebe aufgeben müssten, deren Personal sich dann arbeitssuchend melden wird.

Sie brauchen Hilfe? Sie wollen helfen? Die Kampagne „Meine Landwirtschaft“ hat zusammengestellt, welche Jobbörsen es gibt: https://wir-haben-es-satt.de/unterstuetzen/corona-helfen-in-der-landwirtschaft

Kontakt
Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) e.V.
Joyce Moewius – Pressesprecherin
Marienstraße 19-20
10117 Berlin
Tel.: 030 28482-307
E-Mail: presse@boelw.de
www.boelw.de